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Judas Priest
 
Judas Priest - Rob HalfordJudas Priest haben in ihrer Karriere immer wieder Mut bewiesen. So war z.B. Painkiller ein Album, welches am Anfang 90er Jahren nicht von den Briten erwartet hätte und heute als Klassiker ist. Ob gleiches in ein paar Jahren für das neue Album NOSTRADAMUS gelten wird, steht bisher noch in den Sternen. Tatsache ist, dass die Priester nochmals Mumm bewiesen haben und ihr erstes Konzept-Album überhaupt veröffentlicht haben. Anlässlich eines Konzerts in Huttwil (CH) bekam ich zusammen mit Günti von Rockstation die Ehre einer Audienz beim Metalgott Rob Halford. Erfahrt also aus erster Hand mehr über die Hintergründe von NOSTRADAMUS. Ebenfalls zur Sprache kam das Halford-Projekt "Fight", welches dieses Tage mit einer schönen DVD/CD-Box gewürdigt wird.

Datum:
 R.W., 25.06.2008

Wir fragten...
 Roger: Herzlichen Willkommen in der Schweiz. Wie fühlst du dich?

Rob: Ein Bisschen müde. Wir sind gerade weit gefahren. Ich schaue mir jeden Tag den Tourplan an. Gestern waren wir in München. Wir sind also heute Morgen von München hierher gefahren, was einige Zeit gedauert hat. Wir hatten gerade mal genug Zeit für eine Dusche und zum rasieren. Aber es ist wunderbar wieder mal in der Schweiz zu sein. Wir haben hier sehr viele Fans und es macht immer wieder Spaß hier zu spielen. Wir können vom Tourbus aus die vielen Metal-Fans sehen, wie sie an die Kasse laufen.. Und alle haben ihre Tickets und ihr Bier dabei. Und ev. Marihuana, vielleicht. Okay, ich weis es nicht. (lacht)


Die meisten meiner Fragen beziehen sich aufs neue Album NOSTRADAMUS. Ist das okay für dich?

Ja, nur zu.


Okay. Auf dem letzten Album ANGEL OF RETRIBUTION war der Song "Lochness" drauf. Ein sehr epischer Track. War das eine Art Test für das ganze neue Album?

Es ist verblüffend, nicht? Die Idee für "Lochness" entstand vor rund 25 Jahren. Judas Priest waren damals in einem kleinen, schmalen Transportwagen unterwegs. Also nicht in einem wunderschönen Bus wie diesen hier. Wir haben da Shows in ganz Großbritannien gespielt und sind dann auch in Schottland aufgetreten. Z.B. in Inverness, welches sehr berühmt ist, für sein Loch Ness-Monster.


Günti: Und für seinen Whiskey.

Ja, und ebenfalls für den Whiskey. Tatsache war, dass ich da um 3 Uhr Morgens an diesem Loch gesessen bin, Scotish-Whiskey getrunken habe und nachgedacht habe, wieso dieser Ort so mysteriös ist. Es war sehr dunkel und das Loch war sehr still. Ich habe diese Szene nie vergessen. Und ein paar Tage vor der Schreibsession für "Angel of Retribution" erinnerte ich mich zurück an dieses Loch Ness. Da kam mir diese Melodie in Sinn. Du weißt schon: (singt) "Lochness confess, your terror of the deep". Ich weiß nicht, woher diese Melodie kam, habe sie aber gleich niedergeschrieben und habe es kurzerhand aufgenommen. Und dann habe ich KK und Glen (die beiden Priest-Gitarristen) getroffen und habe ihnen erzählt, dass ich eine verrückte Idee hätte. Sie waren gespannt und ich habe ihnen gesagt dass es sich um Loch Ness handle. Sie waren sofort begeistert und so haben wir den Song gleich fertig geschrieben. Wir wussten allerdings nicht, dass dieser Song so lange werden würde (13½ Minuten). Aber es ist sehr merkwürdig und spannend, dass die Länge dieses Songs, dieses epische Drama entstanden ist, bevor wir überhaupt je über NOSTRADAMUS nachgedacht haben. Es ist darum sehr ungewöhnlich, dass es da tatsächlich Parallelen zwischen dem Song und dem Album gibt. Aber wir hatten natürlich keine Ahnung, dass so was wie NOSTRADAMUS kommen würde. Es ist wohl eine unbewusste Einführung in das Thema. Wir haben es sehr genossen, "Lochness" zu kreieren und so wussten wir, dass wir diese Art von Songs schreiben können. Als wir begannen die Lieder für NOSTRADAMUS zu schreiben, hatten wir also schon ein Gefühl für solche Songs. Also wie man lange und epische Dinge schreibt. Aber das ist eine ungewollte und ungewöhnliche Verbindung.


Es ist eine interessante Geschichte, dass es 25 Jahre gedauert hat, um diesen Song zu schreiben. Speziell bis er aufgenommen wurde und raus gekommen ist.

Ja schon. Ich habe vor ein paar Monaten eine amerikanische Show in Fernsehen gesehen. Da war Steve Miller, der den berühmten Song "Fly Like An Eagle" geschrieben hat. Und er hat gesagt, dass er 2 Jahre gebraucht hat, um diesen Song zu schreiben. Also von der sehr primitiven Demo-Version zum endgültigen Ergebnis. Du weißt in der Musik nie, was passieren wird. Das ist ein Grund, wieso ich es liebe, Musik zu schreiben. Weil du nie weißt, woher die Ideen kommen werden. Es ist immer ein Abendteuer.


Roger: Was fasziniert dich denn an der Person Nostradamus? Ich meine es gibt ja unzählige interessante berühmte Personen, über die man schreiben könnte.

Wir haben ja bereits vor vielen Jahren den Song "The Ripper" geschrieben. Ein sehr kurzes, 3½ Minuten Lied. Und auch all die anderen Charakteren, welche wir kreiert haben, wie "The Sinner", "The Painkiller", "The Sentinel" sind erfundene Personen mit ihren speziellen Eigenschaften.. Aber ich denke, der Grund, wieso wir NOSTRADAMUS genommen haben, war, weil es sich dabei um eine richtige historisch belegte Person handelt. Er ist eine wahre historische Figur ist, die auch 500 Jahre später noch jeder kennt. Wir wollten auch experimentieren um zu sehen, ob wir sein Leben mit starker Musik vertonen können. Wir hatten keine Ahnung, dass daraus zwei CDs werden würden mit einer Spiellänge von 1 Stunde 40 Minuten. Aber sobald wir mir mit dem Schreiben begonnen haben, waren wir voller Inspiration und Kreativität und es floss einfach so aus uns heraus ohne irgendwie zu stoppen. Bis wir an dem Punkt waren, wo wir fühlten, dass wir alles zusammen haben, was wir über ihn zu sagen haben.


Günti: Also, habt ihr mehrere Songs anstelle von nur einem vielleicht 17-minütigen Song, der dann in sich geschlossen wäre, gewählt?

Ja, genau. Wir haben mit unserem Label Sony/BMG darüber gesprochen, dass wir interessante Neuigkeiten hätten. Und sie fragten natürlich, was es wäre. Wir sagten dann, dass es eine Doppel-CD geben würde. Sie hielten uns zuerst für verrückt. Aber wir haben eine hervorragende Plattenfirma. Sony/BMG sind sehr gut und ihr Boss Rob Stringer aus New York ist ein guter Freund von uns. Und sein Bruder führt Sony Japan (Sir Howard Stringer) und Dave Shack von London sind große Judas Priest-Fans. So haben uns alle Mut gemacht. Weil alle wussten, dass das ein sehr ambitioniertes Werk werden würde. Ich meine, 35 Jahre nach unserer ersten CD haben wir uns entschieden eine Doppel-CD über Nostradamus zu kreieren. Ich denke, das zeigt auch, wie sehr wir nach wie vor lieben, Heavy Metal zu spielen. Die Passion ist immer noch da, und auch das Publikum ist immer noch da.


Und ebenfalls interessant und wichtig ist, dass die Leute von der Plattenfirma dahinter stehen können. Und nicht einfach nur sagen, dass da ein neues Judas Priest-Album ist und man es kaufen soll.

Wir denken da ebenfalls an das Gesamtkonzept, so gut das möglich ist. Weil ein Konzeptalbum ein anderes Leben hat als eine normale Studio-CD. Es muss anders verkauft und präsentiert werden. Weil es sehr viele verschiedene Arten gibt, es zu präsentieren. Und wenn wir nun plötzlich das ganze Album Live-Spielen wollten, wäre es zu beginn schwierig. Aber fürs Geschäft, so sagen Sony/BMG, wäre das eine sehr gute Idee.


Roger: In eurer Karriere habt ihr viele Alben aufgenommen, die heute als Klassiker gelten. Einer der Gründe warum das heute Klassiker sind, ist, dass ihr euch nie davon gefürchtet habt, euren Musikstil zu ändern. Siehst du NOSTRADAMUS als Stilwechsel für Judas Priest?

Ja, aber nur ein klein wenig. Ich meine, wenn wir Nostradamus Leben in einem puren, massiven Heavy Metal-Gewand präsentiert hätten, wäre es sicher auch gut geworden. Wir wollten aber auch andere Möglichkeiten ausreizen. Und eines der Dinge, welches wir während dem Schreiben taten, war, dass wir viele Keyboardpassagen gebraucht haben um eine Plattform für die Songgrundgerüste zu kreieren. Mit der Gitarre kannst du sehr vieles wie z.B. ein Riff, ruhig, heavy oder auch Akkorde spielen, also sehr viele Dinge. Aber wir wollten mehr Atmosphäre schaffen und dazu alle Möglichkeiten ausschöpfen. Wenn du mit einem Keyboard arbeitest, kann nur ein einziges spezielles Geräusch als Inspirationsquelle dienen. Mit der Gitarre ist das anders. Wir haben deshalb auf Keyboards zurückgegriffen, um sie als Plattform für die Songs zu nutzen. Und auch viele Gitarren-Synthesizer um den klassischen Sound wiederzubeleben. Aber es ist immer noch Judas Priest. Es gibt definitiv noch Tracks und Momente, die den alten Stil präsentieren. Wie zum Beispiel "Persecution", ein schneller harter Judas Priest Track. Oder "Nostradamus", der ebenfalls sehr schnell ist. Oder "Lost Love" mit seinem Balladen-Touch. Es klingt also alles noch nach Judas Priest. Aber es ist eine andere Art davon und hat eine klein wenig andere Atmosphäre. Man sollte darauf auch achten, wenn man ein Konzept-Album macht. Man sollte daran denken wenn es eine große Produktion wird. Und darauf achten, welche verschiedenen Elemente man brauchen kann.


Beim Schreiben einer Konzeptscheibe über eine Biographie einer Person gibt es immer Aspekte, die man auslassen muss, weil die Scheibe sonst du lang würde. Welche Aspekte habt ihr aus Zeitgründen ausgelassen?

Ich denke, wir haben die wichtigen menschlichen Elemente berücksichtigt. Z.B. wie er merkt, dass er diese Gabe hat, in die Zukunft zu sehen und daraus Prophezeiungen abzuleiten. Er hatte eine merkwürdige Gabe und die Leute wussten nicht, was es ist. Sie dachten, dass er verrückt sei und komische Bilder sieht und wussten nicht, was es war. Wir wollten diesen Aspekt erzählen. Wir wollten aber auch einige Geschichte über sein Familienleben erzählen. Es war sehr schwierig vor 500 Jahren in Europa zu leben. Und wir wollten ebenfalls einige seiner Tragödien erzählen, z.B. wie er seine Familie mit der Pest verloren hat. Ebenfalls die Schwierigkeiten, die er mit der Katholischen Kirche in Rom hatte. Er war ja eigentlich Jude. Er wurde in einer jüdischen Familie geboren, die aber zum katholischen Glauben konvertiert ist, weil die Juden von der Katholischen Kirche verfolgt wurden. Auch diesen Aspekt wollten wir rein nehmen. Wir wollten die Geschichte erzählen, wie er vom französischen Städtchen Agen verschwunden ist, weil er Angst hatte, ermordet zu werden und die Inquisition hinter ihm her war. Und wir wollten ebenfalls einige seiner Prophezeiungen erwähnen. So haben wir entschieden eines der Elemente in "The Four Horsemen", also über die Apokalypse zu packen. Weil er oft über den Tod, Seuchen und die Pest gesprochen hat, aber auch über die Weltkriege. Er sprach über die Überwindung von Eroberungen. Wir haben also alles zusammengemixt, weil wir uns nicht auf seine Visionen beschränken wollten. Uns war es auch wichtig, über sein Leben zu berichten. Über seine Erfahrungen als Mensch. Ebenfalls für die Fans, die es hören. Wenn man zuhört, sollte man sich mit der Person identifizieren können. Und wenn man die Botschaften hört, sollte man ja sagen können. Das ist für mich wichtig. Und er lebte ja ein sehr Heavy Metallisches Leben. Weil wir im Metal über Kämpfe sprechen, über das "gegen den Strom schwimmen" und über das "an sich zu glauben", auch wenn es niemand anders tut. Die Emotionen die wir als Heavy Metal-Fans haben. Also sehr ähnliche Umstände wie sie Nostradamus hatte. Also wollten wir ein wenig über alles in Nostradamus Leben berichten.


Eine Total andere Frage: Es gibt momentan ein Re-Release der drei Fight-Alben, welche zusammen mit einer DVD erscheinen. Kommen sie jetzt raus, um die Aufmerksamkeit des NOSTRADAMUS-Albums für sich zu nutzen?

Nein, es ist mehr aus der Situation heraus. Ich habe mit meinen Solo-Aktivitäten viel Material angehortet, das ich in nächster Zeit alle raus bringen werde. Jetzt kommt also das Fight-Box-Set raus. Und dann wird im September die ROCK IN RIO-Halford DVD rauskommen. Und später wird noch was anderes rauskommen. Aber der Zeitpunkt, ist eigentlich Zufall.


Gibt es eine Chance für ein neues Fight-Album?

Ich weiß nicht. Ich sage niemals nie. Alle sprechen immer noch über diese Band, obwohl wir insgesamt nur zwei Scheiben gemacht haben. WAR OF WORDS war ein sehr erfolgreiches Metal-Album. Wir werden also sehen, was die Zukunft bringen wird. Aber Judas Priest genießt klar Priorität. Ich mache zuerst alles für Judas Priest, bevor ich an irgendetwas anderes denke.


Denkst du, dass es eine weiteres Konzeptalbum vom Judas Priest geben wird?

Nein, ich denke, dass war es jetzt. Ich weiß nicht, was wir sonst noch tun könnten. Dieses Album brauchte zwei Jahre zum Entstehen, was eine lange Zeit ist. Und dieses Album hält uns so viele Möglichkeiten offen. Nächstes Jahr wollen wir z.B. Shows spielen, wo wir das ganze Album live vortragen werden. Also wie in einem Film.


Aber heute wird es einen Mix zwischen alten und neuen Songs geben?

Ja. Also wir haben ja hunderte von Metal-Songs. Es ist sehr schwierig alle zu spielen. Wenn wir die Fans fragen würden, käme vielleicht "Victims of Change" heraus, oder "Saints In Hell", oder Run of the Mills" von Rock'n'Rolla. Wir stehen ja jede Nacht auf der Bühne. Aber ich denke, die aktuelle Setliste ist eine gute Auswahl aus einigen Klassikern.


Rob Halford - Roger Wetli
Die Zeit ist leider bereits um. Vielen Dank fürs Interview.

Ich danke dir.


 
 
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