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Scorpions
 
Scorpions - Matthias JabsWenn der Skorpion klopft, kann wohl keiner widerstehen! So ging es mir jedenfalls, als ich eine knappe Woche vor dem Scorpions-Konzert in der Schweiz die Anfrage erhielt, ob ich den nicht gerne eine Interview mit den deutschen Goldjägern führen möchte. Die Band ist seit knapp 40 Jahren unterwegs und hat so manche Kindheit geprägt, wie auch meine. Umso erstaunlicher und erfreulicher ist, dass Gitarrist Matthias Jabs (immerhin seit 30 Jahren dabei) sich als äußerst netter, freundlicher und intelligenter Interview-Partner herausstellte. Nie kam das Gefühl auf, dass ihn das Gespräch langweilen könnte und man merkte, dass hier ein Profi am Werk ist, der seinen Job mit all seinen Facetten liebt und lebt. Aber lest selbst:

Datum:
 R.W., 26.09.2008

Wir fragten...
 Hallo Matthias, ihr wart soeben in Trinidad. Liegt das in Mexiko?

Matthias Jabs: Nein, Trinidad ist eine kleine Insel in der Karibik. Wir erinnern uns und vielleicht an Trinidad-Tobago, die ein teilnehmendes Team an der letzten Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 waren. Die waren damals auch in Hannover stationiert, sind aber natürlich in der Vorrunde ausgeschieden. Aber das sind hauptsächlich farbige, die ganz bunte Klamotten tragen. Eine ehemalige britische Kolonie, die ein wenig nördlich von Venezuela liegt. Also in der Karibik und sie gehört zu Südamerika. Mexiko ist wesentlich nördlicher. Brasilien ist südlicher. Aber wir haben jetzt gerade hauptsächlich drei Wochen lang in Brasilien gespielt, eine Woche in Mexiko und das letzte abschließende Konzert der Südamerika-Tour war in Trinidad Und von da kommen wir jetzt gerade her.


Das Abschließende Konzert dieser Tour ist jetzt aber in der Schweiz?

Also für Südamerika war das abschließende Konzert schon in Trinidad. Aber jetzt sind wir in der Schweiz, als wahrscheinlich einziges Konzert in diesem Jahr in Schupfard heute Abend. Danach haben wir eine ganz kurze Pause, bevor wir nach England gehen, und danach nach Frankreich. Anschließend betouren wir die baltischen Staaten… Portugal. Da kommt noch so einiges vor Weihnachten.


Gehört das so zum Normalprogramm von euch. Also so Jahr ein Jahr aus, mit den vielen Shows, fast keine Pausen?

Also wir machen vielleicht gar nicht so viele Shows wie ev. andere. Aber wir springen dabei kreuz und quer über den ganzen Globus. Und ich glaube schon, dass wir eine der ganz wenigen Bands sind, die überhaupt in jedem Kontinent spielen können. Denn wer wird schon z.B. nach Vietnam eingeladen? Oder Alaska? Das sind ja nicht alle. Wir legen sehr große Strecken zurück und sind sehr viel unterwegs. Aber die effektive Anzahl Konzerte ist jetzt nicht so hoch, wie bei Bands, die vielleicht nur Überland fahren. Wir fliegen sehr viel. Wir haben mittlerweile drei verschiedene Systeme: A, B und C. Wobei die alle identisch sein sollten. Also B fährt jetzt hoffentlich aus Trinidad raus (lacht). A ist von den USA nach Brasilien geflogen worden und C steht heute in der Schweiz, weil wir vor der Südamerika-Tour noch in Deutschland gespielt haben. Das war auf dem Rock for Nature-Festival, was sehr gut war. C ist danach in unser Lager und jetzt hier herunter gefahren worden. Die Logistik ist interessant und modern. Weil wir eben so große Strecken zurücklegen, kannst du das Zeug nicht immer mitschleppen.


Sind mit den Systemen A, B, C drei Bühnen und drei Crews gemeint?

Nein. Also die Bühnen werden von den lokalen Veranstaltern jeweils aufgebaut. Also die Bühne, PA und das Licht kann man nicht mitschleppen. Da müsste man ja eine Boeing 747 chartern, und das lohnt sich nicht. Die Crew ist ebenfalls flexibel. Die Menschen können geflogen werden. Nur das Material geht nicht von A nach B. Das passt zwar ins Flugzeug rein. Aber der Zoll hält es gerne fest. Und in Brasilien sind das so zwei bis drei Wochen. Man kann das jeweils schlecht abschätzen. Und du kannst es nicht riskieren, das Zeugs erst eine Woche vor dem Konzert loszuschicken. Weil dann findet unter Umständen dein Auftritt nicht statt, obwohl das Material bereits im Land ist.


Das heißt also, dass irgendwelche Gitarren, Schlagzeuge und so in den Systemen A, B und C versteckt sind?

Ja genau. Und das begründet eine angenehme Ausrede, sich alles dreimal kaufen zu dürfen (lacht).


Dann habt ihr also alles identisch? Also identische Gitarren, identische Bässe, usw.?

Wir versuchen die gleichen hinzukriegen. Der Gitarrist, und viele die das jetzt lesen, wissen vielleicht, dass es so feine Unterschiede gibt. Gib dem Wimbledon-Finalisten einen anderen Tennis-Schläger und er verhaut erstmal die nächsten drei Punkte. Das ist ein bekanntes Phänomen, und es ist einfach so. Danach spielt er sich wieder ein. Du hast diese feinen Unterschiede, die in der Feinmotorik erkennbar sind. Da ist wahrscheinlich auch ein wenig Einbildung dabei. Aber so gut wie es geht, ist unser Material identisch.


Da drängt sich die Frage auf, welches dein Lieblings-System ist?

Also wir hatten ja ursprünglich auch nur eines. Und wenn man das jetzt als A bezeichnet, sind da die Sachen dabei, welche am meisten eingespielt sind. Aber das ist mittlerweile auch ziemlich durcheinander gemischt. Die Frage nach dem Lieblingsinstrument stellt sich für mich schon lange nicht mehr. Da spiele ich auf zu vielen zu gern.


Früher habt ihr in der Schweiz in größeren Hallen gespielt als heute. Hängt das damit zusammen, dass ihr in letzter Zeit überhaupt nicht mehr so oft hier gespielt habt?

Das ist schwer zu sagen. Ich meine, ganz am Anfang haben wir auch viel kleinere Konzerte gespielt.


z.B. im Volkshaus in Zürich.

Ja, im Volkshaus fing es an. Dann war es die… wie heißt schon wieder die Halle hier in Zürich?


Das Hallenstadion?

Ja, das Hallenstadion. Da haben wir öfters gespielt. Wir haben ja insgesamt jgar nie so oft in der Schweiz gespielt, muss ich dazu sagen. Wir haben in Luzern gespielt, in Genf ein paar Mal, in Zürich natürlich. Wo haben wir eigentlich noch gespielt? In Schupfard jetzt. Wir haben oben auf einem Berg gespielt. Das sind schon einige Konzerte gewesen. Wir haben hier in einer gewissen Zeit sehr gut Platten verkauft und ich weiß, dass wir sehr populär sind; immer noch, denke ich. Es kommt jetzt so ein Festival auf uns zu. Was ich eigentlich auch ganz gerne spiele. Ich weiß, dass es ausverkauft ist. Man erreicht viele Leute und man erreicht auch viele Leute, die ev. wegen der ein oder anderen Band kommen. Das ist auch mal gut, weil man da sein Publikum erweitern kann. Irgendwie kommen wir hier aber nicht jedes Jahr vorbei. Das gleiche gilt aber auch für Deutschland und Österreich. Wir sind eigentlich tatsächlich mehr in den anderen Ländern, wo man die Fremdsprache pflegt, als hier. Wie das kommt, kann ich auch nicht genau sagen.


Das hängt also nicht damit zusammen, dass ihr im deutschsprachigen Raum weniger Populär seit als woanders?

Also in Deutschland z.B. haben wir jetzt gerade vor vier Wochen gespielt. Kurz bevor wir nach Brasilien geflogen sind. Dieses Rock for Nature-Festival. Da waren 35'000 Leute an einem Sonntag Abend(!). Naja, ich dachte eigentlich die Deutschen müssten am Montag Morgen arbeiten gehen, aber wohl die alle nicht. Und das war schon mal ein sehr gutes Zeichen, dass trotz den Sonntags so viele Leute gekommen sind. Da war eine super Stimmung und wir hatten eine fantastische Show. Da war alles super. Das war unser zweites Konzert in Deutschland. Und das andere war im Nordosten, in Kreisfeld. Da waren auch 10'000 Leute. Das war auch super. Also wenn wir irgendwo auftreten, dann läuft es auch super. Wir tun es nur nicht so regelmäßig. Wir müssen mal sehen, ob wir das im nächsten Jahr nicht wieder ändern sollen. Denn wir haben jetzt den ganzen Rest der Welt drei bis viermal bespielt. Wir waren jetzt glaub ich zum 4. Mal hintereinander in Südamerika und in den USA waren wir jedes Jahr. Nicht immer gleichmäßig ausführlich aber doch. Asien kommt jetzt auch noch. Ich glaube das nächste Jahr ist wieder mal mehr Asiatisch und ich hoffe auch mehr Zentraleuropäisch, womit ich Deutschland meine, dran.


Ihr lässt ja zum Teil die Fans die Songs übers Internet wählen. Immer noch

Ja.


Gibt es da gewisse Präferenzen? Also dass in Südamerika andere Songs bevorzugt werden als in Nordamerika oder in Asien?

Wir wissen aus Erfahrung das gewisse Märkte gewisse Songs bevorzugen. Um das ganze Mal nicht als Gerücht verkommen zulassen, muss ich unbedingt erwähnen, dass es heute ja die einfache Möglichkeit gibt, über unsere Webseite eine Voting-Geschichte aufzubauen. So dass man tatsächlich einen repräsentativen Schnitt erhält. Wobei wirklich repräsentativ wirst du es wahrscheinlich nicht kriegen, aber wir bekommen jeweils Antworten, die so ein Bisschen das bestätigen, was wir aufgrund unserer langjährigen Erfahrung eh schon wussten. Aber es gibt dann zum Beispiel auch Songs wie "No One like You" von Blackout. Es ist in vielen Bereichen wie z.B. in Mexiko die absolute Nummer 1. Es gibt aber auch Länder, in denen ist das zwar noch so in der Top 50 drin, aber so ganz weit hinten. So sind die Geschmäcker unterschiedlich. Das betrifft aber nur gewisse Songs. Die Präferenzen ähneln sich insgesamt schon. Wir machen es aber trotzdem, weil die Fans das gerne haben. So ist das halt eben: Du fängst es einmal an. Du wolltest es einmal so als Erforschung der Wunschlisten betreiben und nun will das jeder haben. Und dann musst du schon gerecht sein. Aber wie repräsentativ es wirklich ist, weiß ich nicht. Weil diejenigen, die sich daran beteiligen, müssen ja schließlich nicht alle zum Konzert gehen. Es beteiligen sich ja jeweils tausende. Du weißt ja gar nicht, ob die dann auch kommen. Du weißt ja auch gar nicht, wie viele von denen dann schließlich auch in den vordersten Reihen stehen. Es gibt Leute vor der Bühne, die gucken dich so an, dass du sofort weißt, dass die gar nicht wussten, dass es den Song überhaupt gibt. Die sind einfach zum Konzert gegangen und haben sich auf der Webseite gar nicht schlau gemacht. Das ist natürlich die Mehrheit der Leute, das ist auch klar. Wenn bei einem Konzert 15'000, 20'000 Leute vor dir stehen, dann haben von diesen vielleicht 500 gevoted. Das macht dann schließlich auch keinen Unterschied mehr, ob du die Leute abstimmen lassen hast oder nicht.


Gibt es da auch Songs, welche ihr nicht erwartet hättet und die ihr dann extra aufgearbeitet habt?

Ja, da hat es einen gegeben, zumindest. Und zwar ist das ein Song, den wir in einer Phase aufgenommen haben, als ich ganz neu in der Band war, also vor gut 30 Jahren. Das war im Zuge der Lovedrive-Aufnahmen, welches das das erste Album war, wo ich mitgespielt habe. Der Song heißt "Hey You" und der wird von Rudolf Lead gesungen. Der hat sich so heimlich wieder durchgeschlichen. Aber der war seinerzeit mal auf einer B-Seite drauf. Und mittlerweile ist er ganz oben. Aber es ist ja klar. Wenn du irgendwas Spezielles machst, nimmt es einer auf und stellt es ins Internet. Und schon spricht sich das rum und… Und jetzt haben wir uns gesagt, dass wir den endlich mal spielen müssen. Und das haben wir dieses Jahr schon mehrfach gemacht. Die Fans voten dann aus reinter Neugier dafür und dann taucht er in der Top 20 auf. Und den spielen wir dann auch.


Dieses Interview ist für ein Heavy Metal Magazin. Darum möchte ich noch einige Fragen zum Thema "Scorpions und die Heavy Metal-Szene" stellen. Ende der 70er Jahre wart ihr die härteste und lauteste Deutsche Band, danach sind andere Bands gekommen, die härter wurden. Findest du, dass ihr den Status in der Metalszene nach wie vor habt und die Ehre erhält, die euch gebührt? Gerade für Deutschland seid ihr ja sehr bedeutend.

Ich denke als wir angefangen haben, aber nicht nur am Anfang, sondern auch noch in die 80er Jahre hinein, hatten wir da einen guten Status. Der Begriff Heavy Metal wurde in England gegründet, als wir da gerade auf Tour waren. Da habe ich den Begriff zum ersten Mal gelesen, und das war glaube ich 1979. Die Metalszene hat sich dann immer weiter verändert. Sie ist immer härter geworden. Der Gesang wurde immer tiefer. Es wurde auch immer mehr gebrüllt. Und die Scorpions haben sich im Grunde genommen in den späten 80er und vor allem in den frühen 90er Jahren ein Bisschen mehr in Richtung Mainstream entwickelt. Da ist eigentlich die Schere auseinander gegangen, muss man sagen. Wir haben damit aber überhaupt kein Problem, wie man beispielsweise auch beim Wacken-Festival gesehen hat, oder beim Rockfestival in Balingen vor ein paar Jahren. Da hatten wir zwei Tage vorher das Konzert mit den Berlinern Philharmonikern, und haben dann trotzdem als Headliner in Balingen total abgeräumt. Damit haben wir gar keine Probleme. Heavy Metal ist aber eine ganz andere Musikform geworden. Also wie sie sich entwickelt hat. Die jungen Metalbands gehen ganz klar in eine andere, extremere Richtung. Was ich auch sehr gut finde. Aber wir müssen uns ja nicht verbiegen und verkleiden um so wie die zu sein. Wir haben das ja schon vorher gemacht und wir machen das mehr so, wie wir das machen wollen. Wir sind da wesentlich individualistischer geworden und haben unseren Stil irgendwie gefunden, der sich immer wieder in die ein oder andere Richtung entwickelt. Das ist ja auch Songabhängig. Weil wir immer diese breite Schere haben, zwischen schnellen Rocksongs, aber auch aus den Balladen, wofür wir auch sehr Weltbekannt geworden sind. Wenn du dich jetzt nur auf die Balladen fokusierst, was ja gerade das Radio in Deutschland und Umgebung gerne tut, dann entsteht immer der Eindruck, dass die Scorpions nur so weiches Zeugs machen. Ist aber nur. und war es aber auch schon immer, so maximal 15 - 20% von unseren Songs.


Das sind die Songs, die man dann auch gerne als Rocker mitgröhlt und mit pfeift. Und trotzdem mag man dann wieder das "Rock You Like A Hurricane

Also die Hells Angels habe ich auch schon vor der Bühne schluchzen gesehen. Es ist alles möglich.


War in diesem Falle Live At Wacken Open Air auch ein Statement, dass ihr auch an solchen Open Airs auftreten könnt?

Also ich sehe das eher unverkrampft. Ich wusste sowieso, dass wir dort auftreten können. Wir müssen ja nicht wie die Bands des zweiten Nachmittags klingen. Wir klingen halt dann wie der Headliner am ersten Tag. Und deswegen sind wir auch da. Und darum habe ich auch kein Problem damit. Es hat glaub keiner Probleme damit. Es war ein super Erfolg und ohne die großen Bands der 70er und 80er Jahre kriegt ja heute auch keiner ein Stadion voll. Es ist ja eindeutig, dass es immer noch die gleichen sind, die die meisten Tickets verkaufen. Egal wer da jetzt kommt. Es kann ja keine neue Heavy Metal Band, die jetzt noch so tief singt und so laut spielt, von sich behaupten, dass sie ein Stadion mit 50'000 Leuten voll kriegt. Das machen wir ganz regelmäßig. Vielleicht im Moment nicht gerade in Deutschland. Aber das ist heute ja auch weltweit bekannt. Hol The Eagles oder Bon Jovi und die Hütte ist voll. Ebenfalls bei AC/DC. Also alles Bands der 70er und Bon Jovi aus den 80er Jahren. Und alles andere muss sich schon am Rock am Ring treffen und dann zusammen mit 50 anderen Bands auftreten, um dann die gleiche Zuschauerzahl zu haben. So ist es doch.


Zu diesem Thema habe ich mal ein Statement von Klaus Meine gelesen, der gesagt hat: "So lange die Rollings Stones nicht aufhören, tun wir es auch nicht

Das ist mein Zitat.


Das ist deines?

Ja, das hat Klaus gerne wiederholt. Aber das habe ich mal gesagt, als erster von uns. Da muss ich darauf bestehen. Das war 1988 und du musst dir vorstellen, dass wir da gerade unheimlich viel Erfolg hatten. Da kam irgendeiner vorlauter Journalist daher und fragt: "Wann wollt ihr dann endlich aufhören?" In den 80er Jahren hat er das bereits gefragt?

Ja, das war 1988 ganz genau. Wir waren gerade auf dem Weg zum Monsters Of Rock mit Van Halen als Co-headliner in den USA und hatten glaube ich die erfolgreichste Europa-Tournee vor Augen. Später hatten aber AC/DC einmal mehr Karten als wir verkauft. Das war also auf unserer Tour von 88/89 zu Savage Amusement. Da fragte einer: "Wie lange wollt ihr es eigentlich noch machen?" Und ich meine, 1988 waren wirklich noch nicht so alt. Und da dachte ich: Mensch, ich kann jetzt nicht gleich auf ihn losgehen, aber da muss ich mir schnell was einfallen lassen. Und tja, da kam raus: "Also solange es die Rolling Stones machen können, können wir das auch!" Und das gilt natürlich heute erst recht! (lacht) Weil die hören ja einfach nicht auf. Und dann können auch wir einfach weitermachen.


Aber finanziell hättet ihr es ja sowieso nicht mehr nötig?

Das ist immer relativ. Ich finde, man kann gar nicht aufhören, wenn man sich als Musiker so hingebungsvoll sein ganzes Leben lang der Musik hingegeben und gewidmet hat. Was willst du denn sonst machen? Ob du Geld hast oder nicht, willst du zu Hause sitzen? Einen anderen Beruf machen? "Warum" ist da die erste Frage? Und "wie soll das gehen?" Du bist ja auf nichts anderes vorbereitet und willst es ja auch gar nicht sein. Also aus der Perspektive, die ich jetzt habe, als Profimusiker seit über 30 Jahren, kommt für mich auch gar nichts anderes in Frage. Ich weiß ja gar nicht, wie viele Welttourneen ich bereits gemacht habe und wie oft ich um die Welt geflogen bin. Das ist der ideale Job für mich. Aus einer Berufung heraus einen Beruf zu machen. Aus etwas, was sich anfänglich als ein Hobby darstellte eine Profession zu machen und diese so mit Haut und Haar leben zu können und dabei noch um die Welt reisen zu können, in den besten Hotels zu wohnen und vor tausenden von Leuten aufzutreten, dabei die Musik zu machen, welche man am liebsten macht, und dafür noch Geld zu kriegen, ist doch Traumhaft. Oder? Warum soll ich da dann aufhören? Da müsste ich ja bescheuert sein. (lacht) Das hier macht einfach am Meisten Spaß. Was wäre denn die Alternative? Rosenzüchten? Ich glaube nicht.


Also wenn es dir Spaß macht, nur zu!

Das habe ich noch nicht ausprobiert.


Kommen wir nochmals zu den alten Hits zurück. Von Bands wie euch erwartet man ja generell bei Konzerten, dass ihr nur die alten Hits spielen. Ein neues Album wäre daher gar nicht mehr unbedingt gefragt von den Fans. Macht ihr es trotzdem, weil ihr den kreativen Prozess aufrecht erhalten wollt?

Auf jeden Fall. Der kreative Prozess ist ganz wichtig. Uns ist es auch sehr, sehr wichtig gute Alben abzuliefern, und dass obwohl die CD-Verkäufe seit vielen, vielen Jahren zurückgehen. Also dass wir nicht wie andere Bands entweder gar keine Alben mehr machen, oder so Low-Budget-mäßig was zusammenschustern. Wir sind ja gerade beim letzten Album 5 Monate nach Los Angeles gegangen, haben mit Desmond Child produziert und haben mit einem hohen Budget-Aufwand mit den besten Leuten und den besten Studios ein Album aufgenommen, so wie es wir immer getan haben. Und dies alles um den hohen Qualitätsstandard zu bewahren. Aber auch um neue Songs zu haben, die sagen wir einmal in Augenhöhe mit den anderen erfolgreichen Songs sind. Davon haben wir ja zum Glück einige. Es sind zwar nicht alle Songs Hits, aber einige. Für uns ist es ganz wichtig neue Songs aufzunehmen, weil wir eben auch sehr viel live spielen. So können wir unser Liveset, und unser Programm mit neuen Dingen auffrischen können. Also wie eine Art Frischzellenkur, so dass es uns Spaß macht. Denn es geht mit der Zeit auch auf den Zeiger, wenn du immer dasselbe spielst. Also wir mischen unser Programm ja eh dauernd durcheinander, also voting hin oder voting her. Wir machen es ja auch von uns aus, und da ist es uns ganz wichtig, dass wir auch neues Material haben. Mir ist auch klar, dass der Fan die Dinge so richtig eingesogen hat, welche er schon ganz lange kennt. Das war aber auch früher schon so. Und ich muss gestehen, dass wenn ich zu einer Band wie AC/DC gehe, einer meiner Lieblingsbands, dann höre ich auch "Back in Black" und "Highway To Hell" lieber als irgendetwas neues, was ich vielleicht noch gar nicht so gut kenne. Da versteh ich auch bei der Reaktion des Publikums total. Es geht mir ja auch nicht anders. Ich glaube, das kann auch jeder nachvollziehen, dass man "Satisfaction" vielleicht lieber hört, als irgendein "Harlem Shuffle" von den Rollings Stones. Aber was soll es. Wichtig ist das, was ich eben vorher sagte. Es ist wichtig, dass man als Musiker irgendwie kreativ weiterarbeitet und auch den Anspruch hat, irgendetwas Neues zu machen.


Ihr werdet von eurer Plattenfirma auch ein Bisschen als Friedensrocker bezeichnet. Kannst du dich damit identifizieren? Da gibt es ja auch entsprechende Songs dazu wie "White Dove" oder Humanity Hour1".

Sagen wir es mal so. Friedensrocker bezeichnet wahrscheinlich unser Engagement in letzter Zeit. Ich weiß im Moment auch gar nicht so recht, was ich mit diesem Schlachtwort anfangen soll. Aber wir haben im laufe der Jahre ein gewisses soziales Bewußtsein entwickelt. Was bei uns sicherlich von den Persönlichkeiten immer schon irgendwie da war, also die Grundlage dafür. Allerdings möchte ich auch gerne gestehen, dass der Fokus in den späten 70er und frühen 80er Jahre doch eher auf Girls und Partys lag. Und die Texte waren natürlich auch entsprechend. (lacht) Das war einfach die Zeit. Man war Jung und hatte Rock'n'Roll, usw. rund und um die Welt. Im Laufe der Zeit veränderte sich das ein Bisschen. Unsere Gespräche sind, naja, nicht immer nur ernsthaft, aber sie haben auch einen ernsthaften Hintergrund. Und irgendwann sind wir ganz natürlich dazu übergangen, diese Dinge auch in den Texten auszudrücken. Also über Sachen zu singen, über die wir uns unterhalten und die uns interessieren. Aus heutiger Sicht stellt sich das ganz naiv und bescheuert dar, wenn wir da jetzt singen würden: "Hey, guck mal der da hinter her! Die sieht ja irgendwie geil aus!" Das wäre total bescheuert. Warum sollte man sich dazu überhaupt äußern. Das Interesse daran ist sicherlich noch da, aber es ist es nicht mehr Wert, in einem Song abzuhandeln. Das haben wir ja alles schon gemacht. Und insofern sind uns heute andere Themen wichtiger. Also wir sind zwar nicht die größten Nachrichtengucker, weil wir sind ja oft schon vor Ort sind, bevor die Nachrichten überhaupt gedruckt werden können. Wir haben es dann ja bereits gesehen. Wir kommen ja auch gerade wieder aus Manaus, aus dem Regenwald, was auch ein Thema ist, welches wir angehen wollen mit Greenpeace zusammen. Das sind so Dinge, die beschäftigen uns heute mehr. Und ich finde, das ist auch gut so. Das fühlt sich irgendwie auch richtig an. Also so ein Bewußtsein zu schaffen. Eine Band kann zwar sicherlich die Welt nicht verändern. Ein Song auch nicht. Aber dennoch glaube ich so ein Bisschen an die Theorie, dass eine Aussage, welche mit Musik untermalt ist, sich schneller, besser und wirkungsvoller im Unterbewußtsein einnisten kann, als eine lange, langweilige Rede. Mit anderen Worten: Mit Musik ist das Wort stärker!


Das klingt dann auch schöner.

Das sag ich doch, deshalb ist es wahrscheinlich auch so.


Ihr habt also mit Greenpeace ein Projekt am laufen?

Ja. Wir haben im letztes Jahr, als wir das erste mal in Manaus waren in einem Sambadrom gespielt. Das ist dort, wo die normalerweise ihren Karneval feiern. Der Sambadrom ist deren Stadion mit Platzt für 35'000 Leute mitten im Urwald. Manaus liegt ja mitten im Regenwald und ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas. Und das war total geil, mit einer super Atmosphäre. Und das wurde vom brasilianischen Fernsehen aufgezeichnet und wird jetzt vorerst in Brasilien und Mexiko veröffentlicht. Später kommt es sicherlich auch noch weltweit heraus. Und wir haben uns bereit erklärt, den gesamten Erlös einer Hilfsorganisation, sprich Greenpeace, zu spenden. Diese werden das Geld entsprechend verteilen. Das können wir selber nicht tun, da uns das Wissen dazu fehlt. Also musst du jemanden haben, der da dazwischen ist, und das den Projekten und Leuten gibt, die es am Nötigsten haben. Wir selber verdienen daran keinen Pfifferling. Und dieses Jahr haben wir wieder in Manau gespielt. Wir kommen ja gerade von da. Dieses mal war das Konzert in einer Halle, was auch sehr gut war. Das Publikum war sensationell und die freuen sich auch immer alle. In Brasilien ist es sowieso immer eine sensationelle Atmosphäre für Rock der alten Schule aber auch von modernen Schule. Wir hatten auch Sepultura mit dabei. Ich weiß nicht ob dir diese Band bekannt ist?


Doch, die kenne ich.

Und deren Gitarristen Andreas Kisser hat bei uns mitgespielt. Wir hatten so in der Mitte des Sets ein kleines Special. Also so mit Brasilianischen Percussionisten, drei wunderschönen Backgroundsängerinnen, die ebenfalls Percussion spielen können. Die Leute da sind ja alles sehr musikalisch. Und da haben wir eine sehr dynamische Show gespielt. Es hat so richtig Spaß gemacht.


Wir sind bereits am Ende. Hast du noch ein paar Grussworte an Deutschland und die Schweiz?

Ja, also an alle die mich jetzt verstehen können, also sprich die Deutschsprachigen, aber auch "Bonsoir" an den Genfersee. Ich freue mich wieder einmal hier zu sein, weil wir Karibik-Geschädigt sind. Aber wie gesagt kommen wir nicht aus dem Urlaub, sondern von einer großen Bühne. Ich freue mich wieder hier zu sein, jetzt gerade in der Schweiz und ich möchte alle Fans grüßen, die uns so viele Jahre lang unterstützt haben und sicherlich auch in Zukunft noch einige male vorbei kommen werden. Uns macht es jeweils Spaß. Wir hoffen, dass wir jetzt in Zukunft wieder vermehrt im deutschsprachigen Raum spielen werden können. Es ist jedenfalls überfällig, ich weiß es und wir werden auch kommen.


Wir haben im Dezember noch eine große 4 stündige Weihnachtssendung. Wie verbringt ihr eigentlich Weihnachten?

Also letztes Jahr war knapp. Wir haben es gerade noch so nach Hause geschafft. Wir hatten da noch eine Show in Moskau zusammen mit Santana gespielt, am 22. Dezember. Dann fliegst du am 23. Dezember nach Hause, kommst spät Abends an und am 24. ist dann schon Heilig Abend. Das war ganz knapp. Dieses Jahr glaube ich, dass wir etwas früher auf die Bremse drücken und jedenfalls ich möchte mal wieder so etwas wie eine Vorweihnachtszeit erleben. Das ist mir seit Jahrzehnten nicht mehr geglückt. So dass zumindest mal 10 Tage wären nicht schlecht, dass man das so mitbekommt. Also so wie sich die Menschen so auf Weihnachten einstellen. Die Atmosphäre finde ich nämlich ganz schön Weihnachten verbringe ich eigentlich immer zu Hause. Weil Weihnachtskonzerte und so machen wir nicht. Weihnachten und Sylvester und diese Woche dazwischen sind bei uns tabu, weil wir unsere Familien so selten sehen, dass uns das zusteht, dass da um Weihnachten einmal Pause haben müssen. Und ich freue mich darauf zuhause. Bei uns kann es fürchterlich gemütlich sein. Und das ist ein angenehmer Kontrast zu diesem Hotelleben.


Roger Wetli - Matthias Jabs
Dann wünsche ich dir viel Glück, dass es dieses Jahr klappt.

Ich kann nur sagen, Merry Christmas.


Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für ein Interview genommen hast.


 
 
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