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Das Ende einer Ära - schon wieder?
 

G e g e n   d e n   S t r o m : Übersicht


Autor:
 J.G., 10.11.2011

Das Ende einer Ära - schon wieder?

Viele denken noch mit Schrecken - aber auch Faszination - an den bahnbrechenden Startschuss, die Einführung einer kleinen gerade einmal 12cm im Durchmesser betragenden silberfarbenen Scheibe, der die Compact Disc nach sich zog. Aber was gab es davor? Die junge Generation von heute wächst in einer sterilen digitalen Welt auf, die neben einem Abspielgerät für MP3-Dateien und YouTube-Videos auch auf andere Medien verzichten könnte.

Wie alles begann:
  • Wir schreiben den 04.05.1887, als Herr Berliner für seine Schallplatten-Idee das US-Patent No. 372,786 erteilt bekam, was fast zeitgleich mit dem Phonographen seines ärgsten Konkurrenten Edison geschah.

  • Wir schreiben den 21.06.1948, als Columbia Records die heute noch übliche 30cm-Langspielplatte aus Vinyl vorstellte.

  • Wir schreiben das Jahr 1981, als auf der 33. Funkausstellung vom 04.09.-13.09.1981 in Berlin die CD erstmals öffentlich vorgestellt wurde. Am 17.08.1982 begann dann bei der damaligen Polygram in Langenhagen bei Hannover die erste industrielle Produktion einer Musik-CD. Es handelte sich um das letzte Abba-Album THE VISITOR.


  • Vorangegangen war ein jahrelanges zähes Ringen der damals marktbeherrschenden Kontrahenten Phillips und Sony um einen gemeinsamen Standard, der in seiner Konsequenz so manche kuriose Geschichte erzählen kann.
    Und an allem ist Beethoven schuld. Nein, nicht der wuschelige Bernhardiner aus dem Film "Ein Hund namens Beethoven", der zur Abwechslung die Plattensammlung von Papa unter Wasser gesetzt hat. Dieser lief erst 1992, also zehn Jahre später.
    Ludwig van Beethoven ist gemeint, viel besser seine Neunte Sinfonie. Sonys damaliger Vizepräsident Norio Oga war ein ausgebildeter Opernsänger und wünschte sich nichts mehr, als diese Sinfonie in voller Länge ohne Medienwechsel zu hören. Seine favorisierte Version, dirigiert von Herbert von Karajan, dauerte 66 Minuten. Doch die Techniker gingen auf Nummer sicher und suchten nach der längsten Version. Sie fanden eine Wilhelm Furtwängler-Aufnahme von 1951 mit einer Spieldauer von exakt 74 Minuten.
    Damit stand bei vereinbarter Abtastrate der Durchmesser fest. Doch die Philips-Entwickler waren nicht begeistert und zweifelten, dass eine zwölf Zentimeter große Scheibe nicht in Anzugtaschen passen würde. Tja, das war zugegeben ein "großes Problem". Es half nichts, die Sony-Entwickler kauften Anzüge aus aller Welt, vermaßen die Taschen und stellten fest, dass bei allen genügend Platz sei. Das ließ auch mir keine Ruhe, sodass ich bewaffnet mit der erstbesten greifbaren CD zu meinem Anzug marschiert bin - und Tatsache - sie passt spielend in beide Außentaschen und auch in zwei der Innentaschen - faszinierend. Endlich weiß ich, warum Anzugtaschen genau so groß sind, wie sie sind.
    Aber zurück zur CD. Auch das Innenloch hat seine Geschichte, bekam es doch den Durchmesser des damals kleinsten verfügbaren Geldstücks, dem niederländischen Zehn-Cent-Stück.
    Und wer hätte gedacht, dass die Produktion der ersten CD beginnt, bevor man überhaupt den ersten in Serie produzierten CD-Spieler kaufen konnte?
    Nun denn, die folgenden Jahre sollten zeigen, dass der Silberling nach zögerlichem Start mit 3 Mio. Stück im Jahr 1984 in Deutschland verkauften Exemplare gegen die Übermacht von 71,1 Mio. verkaufter Schallplatten zu Beginn noch ein Nischenprodukt darstellte, jedoch schon fünf Jahre später 1989 mit 56,9 Mio. Stück der Schallplatte den Rang ablief, die nur noch 48,3 Mio. mal über den Ladentisch ging.
    1991 wurden dann schon sage und schreibe 102,2 Mio. CDs in Deutschland gekauft, ein Rekord, der (leider) bis heute Bestand hat.
    Heutzutage höre ich immer nur Geschrei, "die Märkte stagnieren", "Umsatzzahlen brechen ein", "keine Zuwächse mehr" - wohlgemerkt, ich meine hier die Musikindustrie, wobei eine gewisse Parallelität zu anderen Bereichen unzweifelhaft erscheinen mag.
    Immerhin wurden in Deutschland 2010 noch 98,7 Mio. Stück des Silberlings verkauft, was angesichts von digitalen Konkurrenzsystemen, Wirtschaftsflauten, Pillenknick und was wasweißich, mir doch immer noch akzeptabel erscheint.

    Und jetzt das Aus 2012?
    Nach 30 Jahren Compact Disc will uns die Major Label Lobby, allen voran EMI, Universal und Sony einfach den CD-Hahn zudrehen? Wenn das der ehemalige Vizepräsident Norio Oga noch mitbekommen hätte? Leider ist dieser im Alter von 81 Jahren am 23. April diesen Jahres in Tokio verstorben. Aha, ein halbes Jahr hat man dem Mit-Schöpfer der CD also zugestanden, bevor man auch "sein Baby" zu Grabe tragen möchte.

    Aber warum eigentlich?
    Was sind die Gründe für das "Aus" der CD?
    Damals führten viele nachvollziehbare technische Gründe zum quasi "Aus" der Schallplatte. Ein hoher Aufwand war nötig, um die analogen Signale bei allen bestehenden physikalischen Unzulänglichkeiten mit adäquater Qualität wiederzugeben, ganz zu schweigen von der Langzeithaltbarkeit des Mediums selbst. Die bange Frage, wann es den ersten Kratzer gebe, stellte sich wohl jeder.
    Wie schon gesagt, das sind für mich nachvollziehbare Gründe, denn der aktuelle technische Standard in der digitalen Technik ermöglicht eine höhere Qualität, bei gleichzeitig niedrigeren Kosten für Medium und Wiedergabesystem. Dass hier die möglichen Kapazitäten oftmals technisch nicht ausgeschöpft werden, steht wieder auf einem anderen Blatt. Darüber hinaus ist das Medium selbst deutlich robuster und Fehlerkorrekturen bei den Lesegeräten sind inzwischen recht ausgereift und effizient.

    Was will man also mehr?
    Sorry, was für eine dumme Frage. Natürlich wollen die Label mehr Geld und gleichzeitig weniger Risiko. Digitale Distrubution ist schließlich eine geniale Geschäftsidee.

    Warum? Nun, dann beginnen wir doch gleich bei den Künstlern?
    Will man später mit einer maximalen Stereo-Qualität von vielleicht 320KBit/s seine Songs veröffentlichen, so brauche ich kein teueres Aufnahme-Equipment, keine genialen Knöpfchendreher im Studio, die noch das letzte Quentchen Qualität heraus kitzeln und an der Dynamik schrauben, bis die Ohren abfallen. Ach apropos professionelle Studios? Tut es da nicht auch der heimische Keller mit den Eierkartons an der Wand?
    Ich habe zumindest bisher wenige Musiker in meinen Interviews gefunden, die MP3-Qualitäten, außer bei der Ideenfindung oder als Berieselung im Tourbus überhaupt akzeptieren. Eine 320KBit/s-Rate, wie oben genannt ist heutzutage schon recht üppig. Im Vergleich dazu wird eine CD jedoch mit 1.200KBit/s abgetastet, was auch den großen Unterschied in der Qualität erklärt.

    Und dann wären da die Label, die sich zunächst jede Menge Geld sparen. CDs zu pressen kostet Geld, diese zu lagern und zu versenden ebenfalls. Nicht zuletzt sind da noch die "bösen Distrubutoren", die nicht verkaufte CDs zurück schicken und dafür entschädigt werden. Hinzu kommen die unzähligen "bösen Raubkopierer", die den Labels doch scheinbar zuvor kommen und die Mucke digital am Besten noch vor Veröffentlichung geschäftsschädigend weltweit streuen. Nun gerade zu letztem Punkt habe ich bereits im Artikel Kopierschutz und das Ende meine Vermutungen geäußert. Viel wichtiger ist jedoch, dass man sich den Vertriebsaufwand nahezu sparen kann. Lediglich die IT-Strukturen müssen erweitert und gepflegt werden, damit die digitalisierten Songs entsprechend vertrieben werden können.

    Last but not least freuen sich die Distributoren, allen voran natürlich der weltweit größte Distributor für musikalische Datenträger Amazon. Mit dem Vertrieb von CD-Special Editions, die auch weiterhin in kleinen Stückzahlen aufgelegt werden sollen, kann Amazon mühelos eine All-in-One-Lösung anbieten, MP3-Songs zum Download über das eigene Portal und Special Editions zum Kauf.

    Aber was bedeutet das für die ganze Branche?
    Promo-Agenturen werden überflüssig.
    Bemusterung seitens der Label gibt es nur noch digital in der bereits gewohnten grenzwertigen Qualität.
    Online-Shops und viele Musikgeschäfte bekommen keinen Nachschub mehr, können mit Second-Hand-Ware handeln oder gehen pleite.
    Musikregale in den Märken verschwinden und weichen MP3-Terminals?
    Was für ein Horrorszenario!
    Da hatte man bei Schallplatten noch wirklich etwas in der Hand und so manches geniale Cover-Artwork diente als Bild-Ersatz an den Wänden. Bei den kleineren CDs kompensierte man die geringe Größe oftmals mit umfangreichen Booklets, legte Sticker, Poster, Aufnäher und DVDs bei.
    Und das soll jetzt alles einer seelenlosen digitalen Krücke weichen, der man aus Gründen von Platz- und Bandbreite den Qualitätszahn gezogen hat?
    Mal ehrlich, wer findet schon einen irgendwann, irgendwo abgespeicherten Song wieder, den er vor einem Jahr das letzte Mal angehört hat? Für mich kein Problem. Ich gehe ans Regal, ziehe die CD aus dem Fach und sieh da bzw. höre da...
    Und wo ist mein Booklet, in dem ich herum blättern und mir beim Anhören die Lyriks durchlesen oder nur die Bildchen anschauen kann? Darf ich das zukünftig als PDF herunter laden und selbst farbig ausdrucken?
    Was die Bankenlobby schon längst praktiziert, nämlich mit Online-Banking Aufwand und Risiko zum Kunden zu verlagern, will offensichtlich auch die Label-Lobby endlich haben.

    Verkommt das alles zu einer neuen abendfüllenden Beschäftigung, wo ich herunter geladenen MP3-Songs in WAVE umwandle, selbst auf CD brenne, mit einem (gekauften?!?) Cover-Artwork bedrucke, die Bookletseite ausdrucke, ausschneide, klammere und mir vielleicht noch selbst ein Phantasie-Preisschild aufklebe? Das Folieneinschweißen spare ich mir mal, denn ich hasse diese Plastikkondome, denen immer die entscheidende Reißleine fehlt.

    Angesichts dieser Aussichten werde ich mir gut überlegen, wie ich zukünftig Musik konsumieren werde. Angesichts aktueller Zahlen sind es gerade aber die Rock- und Metal-Bands, wie AC/DC und Metallica, die den Labels die dicken CD-Verkäufe eingebracht haben. Hier rächt sich nun die Arroganz der Branche - aber das ist eine andere Geschichte.

    Meine knapp 5.000 Alben sollten mir bei nur acht Stunden Musik täglich knapp 3,8 Jahren reichen, bis es zu einer Wiederholung kommt. Bis dahin habe ich dann auch schon wieder vergessen, was ich "damals" gehört habe. Ich bin als bestens auch für eine nahezu CD-freie Zukunft gerüstet und als gelernter Radio-/Fernsehtechniker und Elektrotechnik-Ingenieur hegt und pflegt man auch die Abspielgeräte bis weit über ihre industriell gewünschte Lebensdauer hinaus.

    Aber keine Angst!
    Noch ist nicht aller Tage Abend und 2012 ist sowieso Schluss mit der Welt - heißt es doch im Maya-Kalender...
    Nein, das meine ich gar nicht. Letztendlich hat es der Verbraucher nicht nur zu ertragen, sondern auch ein stückweit in der Hand. Alleine die Veröffentlichung des Artikels "CD-format to be abandoned by major labels by the end of 2012" bei Side-Line.com hat mächtig Staub aufgewirbelt und so einig, wie das anfangs genannte Triumvirat, scheint die gesamte Branche nun doch nicht zu sein.

    Zumindest ich werde auch weiterhin meine CDs kaufen, die ich möchte, MP3 als temporären Speicherplatzfresser behandeln und jede Band/Agentur unterstützen, die uns hörbare Rock- und Metal-Musik auf Datenträgern zusendet.
    So und jetzt brauche ist erst einmal musikalische Beruhigung. Wie wäre es mit "einen Vorgeschmack auf höchste Göttlichkeit" (A Taste of extreme Divinity) von Hypocrisy?
    Sit down, lean on, relax and enjoy...

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