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Review: Hourglass
 
OBLIVIOUS TO THE OBVIOUS

Album:
 OBLIVIOUS TO THE OBVIOUS, 2009, Eigenvertrieb

Stil:
 Progressive Rock

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 U.B., 23.08.2009

Review:
 Hourglass? Nie gehört! So ging es mir auch bis vor einigen Wochen als ich das vorliegende Doppelalbum für ein Review erhielt. Bekanntheitsgrad hin oder her, manche Blume blüht auch im Verborgenen und im Falle von Hourglass gedeiht die Blume im musikalischen Sinne sogar prächtig. Der Fünfer stammt aus Utah und ließ sich mehr als vier Jahre Zeit mit dem dritten Album OBLIVIOUS TO THE OBVIOUS. Nachdem der Vorgänger SUBCONSCIOUS 2004 bereits sehr gute Kritiken eingefahren hatte, sollte es diesmal der ganz große Wurf werden. Das überaus ambitionierte Werk mit einer Spielzeit von sage und schreibe 139 Minuten wurde aber auch zur Zerreißprobe für die Band. Bassist und Keyboarder sahen sich veranlasst die Formation zu verlassen da sie nicht in der Lage waren die nötige Zeit aufzubringen die erforderlich war um das Mammutprojekt erfolgreich abzuschließen. Michael Turner Vocals, Brick Williams Gitarre, Eric Blood Bass, Jerry Stanquist Keyboards und John Dunston Drums lautet nun die Besetzung. Schaut man sich die Homepage der Amerikaner an so stellt man schnell fest, wer als musikalische Vorbilder diente. Recht zahlreich sind die Links die dort vermerkt sind, sei es Symphony X, Dream Theater, Porcupine Tree, Rush, Yes oder Emerson, Lake and Palmer.

Mit vollem Sound, rollenden Riffs und dezenter Keyboard Untermalung startet "On the Brink" in die progressive Traumreise. Gerade die Keys bilden eine interessante, helle Antipode gegenüber den düsteren Gitarren. Mehrstimmige Vocals mit klassischem Einschlag sind zu hören. Mit häufigen Tempo- und Rhythmuswechseln gestaltet sich der Track sehr kurzweilig trotz epischer Länge. Die klaren Lead Vocals kommen erst spät zum Einsatz und überzeugen mit großer Bandbreite und Aussagekraft. Die Klangstrukturen sind komplex und beinhalten treibende Rhythmen, schnelle Gitarrensolos, Staccato artiges Riffing und flinke Keyboards. Die Drums treten in einigen Abschnitten weit in den Hintergrund was die anderen Instrumente betont. Nur wenn das Tempo spürbar beschleunigt haben die Drums ihren Auftritt und gefallen mit überaus abwechslungsreichem Spiel. Eine leicht depressive Note kann der Song nicht verleugnen, weder von der Musik noch von den Lyrics, übertreibt aber zum Glück auch nicht.
"Homeward bound" ist ein Musterbeispiel für eine Progressive Rock Nummer. Futuristisch sphärische Klänge weichen einem Keyboard- Piano Duett mit orchestralen Einlagen. Ganze weiche Übergänge verzahnen die einzelnen Songabschnitte. Ständiger Wandel ist Programm bei guter Eingängigkeit. Die Melodie ist leicht jazzig mit viel Bass. Die Gitarren, alle gespielt von Brick Williams, wuseln flink. Dazwischen gibt es eine softe Phase bei der nur Piano und Bass zu hören sind bevor das Stück beschleunigt um dann leise auszuklingen.
"Pawn II" ist eine Fortsetzung eines Songs von einem älteren Album. Während im ersten Teil die Lyrics von der Beziehung zweier Menschen erzählen bei der eine Person schlecht behandelt wird ist hier im Teil zwei das Ende der Beziehung das Thema. Das Lied besitzt viel ägyptisch- orientalisches Flair mit anfangs Sitar ähnlichen Klängen. Die Akustikgitarre erklingt beinahe im Flamenco Stil. Nach einem längeren Intro sorgen dann die E- Gitarren für Druck, ein Piano übernimmt den Counterpart der Akustikgitarre. Nach einem plötzlichen Break geben die Gitarren fulminant Gas bevor das Tempo bremst, gar schleppend wird. Die Vocals unterstreichen den orientalischen Einschlag und Michael Turner zeigt welches Potenzial und Volumen seine Stimme bei ganz hohen Tönen hat. Die Drums haben eher begleitenden Charakter, ständig präsent aber nie zu aufdringlich. Eric Blood der Neuzugang am Bass hat immer wieder Gelegenheit mit seinen Basssolos Akzente zu setzen. Gegen Ende wird das Stück zunehmend vertrackter mit Key- Gitarrenduellen und verliert etwas an Eingängigkeit, dennoch ein Fest für Prog-Fans.
Leises Piano und einfühlsame Vocals prägen das wehmütig sehnsüchtig gestimmte "Faces". Es handelt sich um eine melodisch dichte Ballade bei der Turner am Mikro mit zartem Schmelz in der Stimme viel Gefühl beweist ohne dass die Sache in kitschige Bereiche abgleitet. Zum Rauschen der Meeresbrandung spielen Keyboard Streicher zu traumhaft meditativen Gitarrenklängen wie bei Pink Floyd zu MEDDLE Zeiten. Mit Einsetzen von Bass und Drums wird der Song intensiver und vom Sound voluminöser bis das Ende leise ausklingt.
Nach diesen betont leisen Tönen gerät "38th Floor" richtig rockig. Mit über 21 Minuten ein echte Longplayer, vielschichtig, verspielt und eingängig, der auch nach vielen Durchläufen immer noch mit Überraschungen aufwartet. Riffende Gitarren, polternder Bass, variable Drums, plötzliche Keyboard- Gitarrenduelle die beständig hin und her wogen, Bass Temporitte, ein Stück was jeden Rahmen sprengt. Da münden schnelle Passagen in ruhigen Abschnitten mit entrückten Keyboards und leiser Perkussion aus der sich Gitarre und Vocals wie befreit lösen. Ein Monstersong mit einem Feuerwerk an Eindrücken, wandelbar wie die Farbe eines Chamäleons. Aus der Nummer hätten andere Prog Bands fünf gemacht. Die Lyrics erzählen von einem Mann der im 38ten Stockwerk im Büro hockt und den verpassten Chancen und Gelegenheiten in seinem Leben nachtrauert. Carpe Diem.
CD 2 eröffnet auf "Facade" mit geheimnisvollen Keyboards dazu gibt es Klänge wie von einer Spieluhr. Die verträumte, beschauliche Atmosphäre findet mit einem Basssolo ein Ende und entwickelt sich vorübergehend energisch und treibend mit verstärktem Einsatz von Gitarren und Drums. Der Chorus ist eingängig mit teils mehrstimmigen Vocals. Zu viel Bass Geschrammel steuern die Gitarren so einige Eskapaden bei. Neben gelegentlichen Drumwirbeln gibt es ruhige Momente. Es handelt sich um ein Melodic Rock Grundgerüst mit deutlichem Prog Anstrich.
Auf "Skeletons" zeigen uns Hourglass ihre härtere Seite hier haben wir einen der seltenen Fälle bei der die Grenze zum Metal überschritten wird. Nach Klangexperimenten stampfen die Gitarren heftig los. Der Rhythmus ist schleppend und schwerfällig. Keyboards und Gitarren erleben so einige Temperamentsausbrüche und geben diverse Kunststücken zum Besten.
Ganz anders präsentiert sich der sehr emotionale Track "Estranged". Leise akustische Gitarre und zurückhaltende Vocals passen ausgezeichnet zu der bitter- süßen Melodie. Eine traurige Ballade bei der das Piano fast zerbrechlich wirkt. Ein Song bei dem der Prog Anteil gegen null geht, schlicht aber von dichter Eindringlichkeit.
"Delirium" ist ein reines Instrumental, eine Wundertüte voll mit unterschiedlichsten Stilelementen. Die Melodie ist unruhig, nervös tänzelnd. Das Stück ist deutlich Jazz inspiriert und ziemlich komplex ausgefallen. Eher eine Nummer für gestandene Prog Fans da doch erheblich weniger zugänglich als üblich bei Hourglass. Manche Teile wirken wie improvisiert. Schön ist der Kontrast von Piano und Bass. Das Ende ist richtig fulminant geraten.
Den Abschluss bildet ein wahres Songmonster von über dreißig Minuten, das Titelstück. "Oblivious to the Obvious" ist in fünf Teile gegliedert die sich auch separat mit dem Player Menü anwählen lassen. Erzählt wird die Geschichte eines Mannes dem Krebs diagnostiziert wurde mit einer Lebenserwartung von nur einem Jahr und der mit sich selbst ins Gericht geht und feststellt, er hat die gleichen Fehler gemacht die er auch seinen Eltern vorwirft, Gefühlkälte gegenüber den Kindern. Die Story ist frei von Sentimentalität eher geprägt von nüchterner Klarheit und stellt eine tolle Verbindung zur Musik da. Eine Einheit wie aus einem Guss. Cleane Gitarren und ein Bass der hier noch viel mehr Spielraum hat begleiten ein klassisches Piano. Getragene Momente wechseln mit schnellen Teilen, Neo Prog mit Keyboard Streichern und einer wunderbaren, eingängigen Melodie stehen im Kontrast zu ELP artigen Keyboard Einheiten die wiederum in weiche Traumsequenzen übergeführt werden. Hier hat jedes Instrument ausreichend Gelegenheit zu glänzen und auch die Vocals können nochmals alle Register ziehen. Ein Prog Highlight das Maßstäbe setzt.

Fazit: OBLIVIOUS TO THE OBVIOUS ist ein imposantes Werk, ein Feuerwerk an Einfällen gestaltet von vorzüglichen Musikern die mit makellosem Zusammenspiel glänzen und denen man die Begeisterung für ihre Musik mit jeder Note anmerkt. Die Entscheidung ein Doppelalbum heraus zu bringen zeugt von einem gewissen Selbstbewusstsein und eben von beinahe schon ausufernder Kreativität. Hier trifft Masse auf Klasse, eine mehr als zweistündige Entführung in die Prog Welt gespickt mit verschiedensten Stilelementen und Einflüssen. Dabei wandelt Hourglass oft genau im Übergangsbereich von Rock und Metal wobei die meisten Stücke jedoch eher in die Kategorie Rock fallen da es meist etwas an Härte mangelt. Das liegt auch daran, dass es den Gitarren ein ganz kleines bisschen an Druck fehlt, hier ist der Mix nicht zu hundert Prozent gelungen. Das Album ist komplex und die Arrangements kompliziert aber eben nicht zu komplex und durchaus eingängig. Wenn man bei progressiver Musik von Eingängigkeit überhaupt sprechen will die naturgemäß bei so einem anspruchsvollen Stil nie so ausgeprägt sein kann wie etwa bei Melodic Rock. Im ersten Augenblick wird man von der Vielfalt und dem Umfang beinahe erschlagen aber mit etwas Muße beim Hören stellt sich ein lang anhaltender Musikgenuss von selber ein. Als besonders bemerkenswert empfinde ich die Tatsache, dass es Hourglass gelungen ist bei allen Songs eine riesige Fülle von Ideen zu verarbeiten ohne das der jeweilige Track den roten Faden verliert. Da reihen sich verschiedenste Melodien und Klangbilder aneinander und werden mühelos verbunden ohne das es aufgesetzt oder gestückelt wirkt. Hourglass ist eine klare Bereicherung der Prog Musik und erreicht ein Spitzenniveau auch wenn der zweite Teil eine Spur schwächer ausfällt. OBLIVIOUS TO THE OBVIOUS, übersetzt: blind sein gegenüber dem Offensichtlichen, der Titel könnte auch ein Wink mit dem Zaunpfahl sein in Richtung der Plattenlabel. Eine tolle Band mit großartiger Musik vermarktet sein Produkt in Eigenregie weil die Musikindustrie anscheinend blind, in diesem Fall wohl er stocktaub ist und die Qualität nicht erkennt. Wirklich traurig, aber das Sprichwort vom Propheten der im eigenen Land nichts gilt ist ja bekannt. Hoffentlich wird wenigstens ein Label außerhalb der USA auf die Truppe aufmerksam und sorgt auch für den finanziellen Erfolg. Verdient hätte es Hourglass allemal, für mich ein ganz heißer Anwärter auf das Progressive Rock Album des Jahres denn in der Form ist die Sanduhr noch lange nicht abgelaufen und wird sich noch häufig auf meinem Plattenteller drehen.

Anspieltipps:
 Eigentlich das gesamte Album, aber wenn ich mich auf die absoluten Highlights beschränke: "Homeward bound", "Pawn II", "Faces", 38th Floor", "Facade" und "Oblivious to the Obvious"

Tipp:
 Hourglass ist für Fans des Genres ein Pflichtkauf ohne wenn und aber. Wer gern Dream Theater, Threshold oder Neal Morse hört wird von Hourglass begeistert sein.

Titel-Liste:
 
    CD 1
  1. On the Brink
  2. Homeward bound
  3. Pawn II
  4. Faces
  5. 38th Floor
    CD 2
  1. Facade
  2. Skeletons
  3. Estranged
  4. Delirium
  5. Oblivious to the Obvious
     Part 1: No Chance
     Part 2: Realization
     Part 3: Remember me
     Part 4: In my Hands
     Part 5: Redemption

Laufzeit:
 139:43 Min.

Band-Infos:
 
  • www.hourglassband.com 


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