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Report: Musik-Videos und Regisseure
 
Datum:
 A.K., 17.08.2012

Beteiligte Regisseure:
 Jesse Hietanen, Finnland
Marko Mäkilaakso, Finnland/Deutschland
Denis Goria, Frankreich

Zur Geschichte:

Ursprünglich als verkaufsfördernde Werbespots der Musik-Industrie erdacht, mauserten sich Musik-Videos im Laufe der Zeit zu einem boomenden Industriezweig, der aus dem Musik-Business genau so wenig wegzudenken ist wie Cover-Arts. Diese Kurzfilme in welchen Bands sich selbst sowie den dazu gehörigen Song präsentieren und etablieren können, tragen maßgeblich zum Erfolg und Verkauf der Bands dar. So verwundert es niemanden, dass sich mittlerweile viele Regisseure und Produktionsfirmen auf Musik-Videos spezialisiert haben und viele Meilensteine und unvergessliche visuelle Kunstwerke die Fans begeistern.

Die genaue Definition des ersten jemals entstandenen Musik-Videos ist nicht so einfach wie man glauben mag. Bereits 1890 wurde die Musik mit Bildern untermalt. Seinerzeit noch von Hand gemalter Bilder auf einer Glasplatte, welche während des Auftritts des Künstlers auf eine Leinwand projiziert wurden könnten somit als erste Gehversuche gedeutet werden.
Vermutlich waren Die Beatles eine der ersten Bands welche mit Musik-Videos brillierten, aber auch Sonny & Cher sowie Bob Dylan kommen als Pioniere in Frage, deren Promo-Filmchen in den 60ern populär waren. Oftmals aber wird Queens "Bohemian Rapsody" als erstes wirkliches Video bezeichnet, da man hierzu auf die später charakteristischen Techniken zurückgriff an welchen ein Musik-Video zu "definieren" ist.
Anfang der 80er Jahre wurden Musik-Videos ein populäres Mittel der Musik-Industrie um für die Alben und Werke der Künstler zu werben. In erster Linie angetrieben den stagnierenden Verkauf der Platten zu fördern, wurde somit eine Lawine losgetreten von denen sich viele Musiker mitreißen ließen.
Ein Meilenstein dieser Tage war unumstritten Michael Jacksons Video zu dem Song "Thriller", welche mit eine Länge von 15 Minuten zu Buche schlägt und mit einem enormen Aufgebot an Spezialeffekten schon fast an einen kurzen Spielfilm heranreichte. Kein Wunder also das man versuchte dies zu toppen, was Duran Duran mit einem Budget von einer Millionen Dollar zu ihrem Video zu "Wild Boys" versuchten.
Doch stand die Musik-Video-Industrie seiner Zeit noch am Anfang. Erst das Aufkommen reiner Musik-Sender im TV trieb den Boom richtig an. MTV, VIVA oder auch Formate wie "Ronny´s Pop-Show" und "Formel Eins" mit Ingolf Lück brachten Bands sowie Produzenten zu der Erkenntnis, dass ein gutes Video den Verkauf und die Popularität eines Songs oder einer Band immens fördern konnte und somit die Verkaufszahlen in die Höhe schießen ließen. Die Schlacht um das beste, aufsehenerregendste, erfolgreichste oder auch teuerste Musik-Video konnte also beginnen.


Hinter der Kamera

Regisseur von Musik-Videos und Spielfilmen Marko Mäkilaakso sieht die Geburt der beliebten Musik-Sender ebenfalls als einen ausschlaggebenden Punkt für den Boom: "Ich glaube, dass die Geburt MTVs alles verändert hat und Musik-Videos zum Mainstream machten. Somit ist das meiner Meinung nach eine der wichtigsten Ereignisse des Genres."

Von den anfänglichen "Performance"-Videos, in welchen die Band oder der Künstler beim Darbieten des Songs gezeigt wurde, entwickelten sich die Stilrichtungen in verschiedene Richtungen. So findet man nebst Videos, welche versuchen den Inhalt des Songs visuell darzustellen bzw. zu unterstützen auch Videos wieder, welche inhaltlich ein gegensätzliches Konzept fahren. Mit der Zeit wurden auch die Spezialeffekte immer interessanter für Musik-Videos was dazu führte, dass eines der legendärsten Videos der Band A-ha, welches im Comicstil eine Innovation darstellte, den Song erst zum Erfolg verhalf. Zuvor waren die Norweger mit Ihrem Song "Take on me" gefloppt. Das Video jedoch machte den Titel zu einem Welthit.
Der Fantasie der Regisseure waren und sind keine Grenzen gesetzt und wo mancher auf Computereffekte und einem Arsenal an Pyros schwören, bauen andere auf Schockelemente oder Surrealismus. Fakt ist, dass Definition der Ästhetik eines Videos beim Betrachter liegt. Sei es nun in blutrünstigen Horrorstreifen wie manches klassisches (und indiziertes) Cradle of Filth Video oder den durchchoreographierten Tanz-Massakern einer Madonna oder eines Justin Bieber.

Dabei war die quantensprunghafte Entwicklung der Computer- und Softwareindustrie der letzten Jahre ein weiterer Aspekt für die rapide Entwicklung und Qualität der Videos.

Jesse Hietanen"Wahrscheinlich sind es Mac- oder PC-basierende Bearbeitungsprogramme. Eine Menge Videos werden mit einem kleinem Budget gedreht und diese Innovation hat es für fast jedermann möglich gemacht Videos zu erstellen", meint Jesse Hietanen auf die Frage, was seiner Meinung nach die größte Innovation des Business in der Vergangenheit wäre. Eine Meinung die er mit seinem Kollegen Denis Goria teilt. Aber Denis sieht noch einen ganz anderen Faktor als maßgebend für die Entwicklung der Musik-Videos seiner Zeit:

Denis GoriaDenis Goria: "Ich denke es war Michael Jackson selbst, durch die Art wie die Storyline ins Video (Thriller) integriert wurde. Es brachte mehr Emotion mit sich und verwandelte das Video in eine Art Mini-Film. Selbst wenn man nicht Fan einer Band oder deren Musik ist, kann man nicht anders als sich das Video anzuschauen und auf den letzten Akt zu warten. Ich würde sagen, das war eine Revolution, weit entfernt von dem "Scopitone" der 50er oder dämlichen Band Performance Videos in den frühen 80ern...
Was den technologischen Aspekt anbelangt, denke ich das der digitale Workflow einem heutzutage mehr Freiheiten in der Erschaffung (eines Videos) einräumt. Ich arbeite ausschließlich mit Adobe Premiere und After Effekt.
Andererseits war auch YouTube eine Neuerung um Videos und Bands zu promoten. Unglücklicherweise, hat neue Technologie gute als auch schlechte Seiten. YouTube zum Beispiel. Fans haben nun mehr die Möglichkeit die Videos (sogar in HD) zu nehmen und auf ihre eigenen Kanäle hochzuladen, wodurch multiple Links entstehen und die Views der offiziellen Videos minimieren und somit auch das Potential der Bands. Es gibt unzählige Beispiele bei denen inoffizielle Links mehr Views haben als die Offiziellen! Ich verstehe immer noch nicht wozu das gut sein soll."


Seines Zeichens Absolvent der "London University of Arts" und Schöpfer der Musik-Videos von Bands wie Indica - Jesse Hietanen - ist seit 2005 Teil der Musik-Video-Industrie. Seine Produktionsfirma Ambience Studios aus Finnland versorgen Bands und Künstler aus aller Welt seit 2008 mit visuellen Kunstwerken.
Auf die Frage nach seinen All-Time-Favorite Videos der vergangenen Jahre, sagte er: "Es fällt mir schwer mich für eines zu entscheiden, aber kann einige der besten benennen. "Street Spirit" und "There there" von Radiohead, "Ava Adore" und "Tonight Tonight" von den Smashing Pumpkins und auch "Imitation of life" von REM sind wirklich gut."

Marko Mäkilaakso, welcher bereits Videos für Bands wie Apocalyptica oder Indica gedreht hat, fiel die Entscheidung ebenfalls schwer: "Das ist eine schwierige Frage. Genauso könntest Du mich nach meinem All-Time Favoriten der Spielfilme fragen. Einen zu nennen, würde andere, ebenso gute Musik-Videos oder Spielfilme herabstufen. Es gab einige Videos, welche einen großen Einfluss auf mein Leben hatten, ganz egal aus welchem Grund. Also nenne ich mal vier Videos, welche in meinen Augen großartig sind und es verdienen auf die Liste meiner Favoriten zu kommen.
Michael Jackson - "Thriller", directed by John Landis - Beastie Boys - "Sabotage", directed by Spike Jonze - Fatboy Slim - "Weapon of Choice", directed by Spike Jonze - Meat Loaf - "I would do anything for Love", directed by Michael Bay."


Der aus Frankreich stammende Fotograf und Regisseur Denis Goria, welcher selbst schon mit Bands wie Nightwish, Pain und Indica gedreht hat, fällt die Entscheidung leichter: "Es gibt eine Menge Videos die mir gefallen, wie Lady Gaga - "Paparazzi" und "Telefone", Metallica - "All Nightmare long" und 30 Seconds to Mars - "A beautiful Lie" und "From Yesterday". Aber ich würde sagen, dass Michael Jackson´s "Thriller" das eine Video ist, welches ich nicht vergessen werde. Nicht nur weil John Landis einer meiner Favoriten unter den Regisseuren ist, sondern hauptsächlich weil das Video eine Seele hat. Eine großartige Story und das Video etwas Neues ins Business gebracht hatte seiner Zeit. Die Produktion, die Tanzparts, das Schauspiel, alles war perfekt."

Was mich natürlich zu der Frage brachte, welches der von Ihnen produzierten Videos zu den persönlichem Favoriten zählte.

Jesse Hietanen: "Ich würde sagen "Valoissa" von Indica. Auch wenn es vergleichsweise schlicht ausschaut und keine Effekte vorweist, hat es was Besonderes. Etwas das nur schwer einzufangen ist, aber es ist uns gelungen, dank der Mädels die Großartig waren."

Marko Mäkilaakso antwortet bescheiden: "Keines meiner Videos sind auf dem Level eines sogenannten Meisterwerks, aber es gibt einige Videos die ich mir immer noch gerne anschau, wie Apocalyptica feat. Cristina Scabbia - "S.O.S" und Uniklubi - "Huomenna", zum Beispiel."

Für Denis Goria war meine Frage nach seinem persönlichem Meisterwerk ebenfalls etwas knifflig: "Oh, oh hier kommt die schwierige Frage! Ich glaube ich bin als Regisseur noch zu jung, um ein Meisterwerk zu benennen. Außerdem glaube ich dass es nie geschehen wird! Sicher, es gibt einige Videos die mir gut gefallen, wie "Monkey Busienss", "Great Pretender" und die noch unveröffentlichten Astings "High Heels" und Aura "IX O". Die Sache ist die, aufgrund der Piraterie und illegaler Downloads haben die Bands und Labels nicht mehr das Budget wie seiner Zeit in den 80ern, um gigantische, epische Videos produzieren zu lassen. Da schneidet man sich ins eigene Fleisch. Metal-Fans bekommen kaum noch besondere Videos zu sehen, weil die Verkäufe eingebrochen sind und wir (die Regisseure und Bands) können nur auf Low-Budget Videos zurückgreifen. Das ist ein Grund, weshalb man zurück zu den in den 80ern populären Performance-Videos gekommen ist. So kann man wenigsten ein Video produzieren, aber für uns und die Fans sind diese Videos langweilig. Momentan arbeite ich an einem Projekt für eine schwedische Band die ich entdeckt habe und sehr mag. Wenn meine Vision ins Budget passt, gehen wir bald in die Pre-Produktion über. Vielleicht könnte man das als mein "Simili"-Meisterwerk bezeichnen. Ich sage deshalb "Simili" (Anm.: Latein für Ähnlich), da es mit Unmengen an CGI Effekten gemacht wurde und wer mich kennt weiß, dass ich kein Fan davon bin. Aber wie könnte ich sonst eine Band auf eine chaotische Welt loslassen wenn diese nur durch CGI zu erschaffen ist! Es würde tausende von Euros kosten, diese als Kulisse bauen zu lassen."


Vor der Kamera

Das von Jesse Hietanen erwähnte "besondere Etwas" trägt zu einem Großteil zum Erfolg und Look eines Videos bei, welches man mittels Computertechnik oder kostspieliger Effekte nicht erschaffen kann, sondern vom Künstler selbst ausgehen muss. "Für mich ist es wichtig, dass sich der Künstler wohl fühlt. Es ist leicht zu erkennen, ob sich ein Künstler mit einer Rolle im Video wohlfühlt oder sie für Ihn zu schwierig war.", berichtet Jesse und weiß wovon er spricht. Ein Blick in das von Ihm produzierte – und als sein persönlicher Favorit bezeichnetes Video zum Indica-Song "Valoissa", bestätigt dies. Hätten sich die Damen der Band nicht wohl gefühlt, wäre wohl kaum der Eindruck einer zwanglosen Party unter Freunden entstanden.

Marko Mäkilaakso fühlt sich ebenfalls den Labels und Bands verpflichtet: "Ich denke der wichtigste Aspekt ist es dem Kunden (Band und Label) dienlich zu sein, in dem man auf eine werbestarke Art und Weise dass gibt, was ihm hilft die Band zu "verkaufen". Ein Video ist wie ein Werbespot und der muss einschlagen wie eine Bombe um den Song oder Künstler zu promoten. Manchmal bekommen sogar schlechte Songs mittels eines guten Videos eine große Aufmerksamkeit, wodurch er zum Hit wird und die Verkäufe ankurbelt. Genauso wichtig, ist es aber das Video dem Look der Band anzupassen. Man will schließlich kein gutes Video produzieren, welches besser zu einer anderen Band gepasst hätte."
Und da hat er gar nicht mal unrecht. Wir erinnern uns an das eingangs erwähnte Video zu A-ha´s "Take on me". Der Song selbst floppte nur ein Jahr zuvor und wurde erst durch das Video ein Mega-Hit.

Auch Denis Goria weiß, dass das "Look & Feel" eines Videos zu Band passen muss um nicht zu floppen, auch wenn die stetig schrumpfenden Budgets dies den Regisseuren nicht einfacher macht: "Es ist schwer zu definieren, aber ich würde sagen das die Qualität der Produktion der wichtigste Aspekt ist. Die Herausforderung immer etwas Neues zu liefern auch wenn die Budgets von Jahr zu Jahr weniger werden, was hauptsächlich an der (Musik)Piraterie liegt. Normalerweise schreibe ich eine Story welche zur Band und den Texten passt. Dann bin ich sehr fokussiert auf die Atmosphäre des Videos und das Design. Schließlich, das liegt am Budget, schränke ich mich selbst ein, wenn eine Sequenz über dem Budget liegt und behalte die Teile, welche finanzierbar sind. Die Videos welche ich am meisten verabscheue sind jene, die nicht zu den Bands passen. Es ist sehr wichtig zu recherchieren, ob die Idee die man hat auch in das Universum der Band passt."


Zurück in die Zukunft

Sicherlich werden uns auch in Zukunft Bands, Produzenten und Labels die Musik mit ansprechenden, kreativen und manchmal skurrilen Videos schmackhaft machen. Im Zeitalter der Computertechnik und immer ausgefeilter Software gibt es kaum ein Limit an welches man gebunden wird, mal abgesehen vom für´s Video zur Verfügung stehende Budget. In wie fern das ein Problem werden könnte, erklärt sich Jesse Hietanen so: "Im Moment sieht es aus als wären die Musik-Videos eine aussterbende Rasse. Der Hauptgrund dafür ist meiner Meinung nach der, dass sich die großen Musik-Konzerne in den letzten fünf Jahren ihr eigenes Grab geschaufelt haben. Die Verkäufe wurden schlechter aufgrund von Musikpiraterie und deren Reaktion darauf war die Beteiligung an Spotify, welches im Grunde nichts anderes ist als legale Piraterie. Jetzt sind die Musikkonzerne die Bösen und verteilen die Musik beinahe kostenlos und können kaum ihre eigenen Künstler bezahlen. Und wo die Musik nichts einbringt, bleibt auch kein Budget für Videos. Sicher, es gibt Regisseure die weiter arbeiten werden und Künstler deren Budget größer ausfällt, aber es ist ein großes Problem für sowohl die Regisseure, als auch die Künstler und natürlich die Musikindustrie. Versteh´ mich nicht falsch, die Idee hinter Spotify ist gut, aber die Mitgliedschaft sollte mehr kosten und das Geld so aufgeteilt werden, das jeder einen fairen Anteil erhält. Wenn ich es richtig verstanden habe, bekommen unterschiedliche Künstler auch unterschiedliche Summen pro Stream. Das ist etwas, was mir große Sorgen macht."

Ist also zu befürchten, dass irgendwann keine Videos mehr produziert werden oder die ein oder andere Band sogar "Bankrott" geht? Schwer zu sagen. Laut eines Berichts des Hessischen Rundfunks, sind Dienste wie Spotify oder ähnliche eher skeptisch zu sehen. Laut dem HR erhält der Künstler für den Stream seiner Musik gerade mal 0,00164 Euro, während er mit dem Verkauf einer herkömmlichen CD knapp 3,00 Euro verdienen würde. Harter Tobak, wenn dem so wäre. Dienste wie Spotify äußerten sich zu diesen Vorwürfen bisher nicht.
So bleibt abzuwarten, in wie fern sich solche Methoden auf das Musik-Business auswirken. Jesse´s bedenken kann man durchaus verstehen! Aber dazu in einem späterem Artikel mehr und näheres.

Regisseur Marko Mäkilaakso sieht es etwas entspannter: "Nun, aus finnischer Sicht sind die Budgets in den Keller gegangen und das macht es sicherlich schwierig großartige Videos zu drehen. Einige clevere Konzepte wie "Sabotage"-artige Videos mit einem niedrigem Budget wären eine Lösung, aber unglücklicher Weise gibt es nicht so viele Mainstream Künstler die auf diesen Style stehen. Es wird immer eine Nachfrage zu Musik-Videos bestehen, aber die Medien haben sich verändert seit den goldenen MTV Zeiten. Doch egal was uns in Zukunft erwartet... die Videos werden ewig sein!"


An die Arbeit

Aber wie entsteht denn nun ein Musik-Video? Wenn man an die langen Produktionszeiten eines Spielfilms denkt, begonnen beim Skript, hin zum Storyboard, den Spezialeffekten, Castings und der gleichen, soll man meinen dass die Produktion eines gelungenen Musik-Videos ebenfalls viel Zeit beansprucht.

"Nun ich kann mal vom Anfang an beginnen. Normalerweise kontaktiert mich ein Label direkt um bei einem Video für einen speziellen Künstler Regie zu führen. Wenn ich zustimme, ist der nächste Halt eine Abhandlung basierend auf dem Budget welches das Label zur Verfügung stellt zu verfassen. Also schreibe ich die Abhandlung und behalte das Budget sowie die Logistik im Hinterkopf, den man möchte nichts versprechen was das Budget nicht hergibt. Von da an, machen wir den Termin für den Dreh fest und beginnen mit den Vorbereitungen; Drehorte suchen, die Crew, Darsteller etc., je nach Vorgabe der Abhandlung. Manchmal hat man kaum Zeit für die Vorbereitungen und dann geschieht alles nur ein paar Tage vor dem Dreh. Obwohl die Budgets immer relativ gering sind, versuche ich stets selbst zu fordern und das Video nach mehr ausschauen zu lassen als es eigentlich vom Budget her möglich ist.
Der Dreh selbst findet dann an einem Tag bzw. einem halben Tag statt. Bisher habe ich nur ein Video gedreht, welches über 2 Tage produziert wurde. Das war für die UK-Band Dirt Devils von Sony BMG. Der Tag des Dreh ist der Moment den ich am liebsten habe. Dann kreierst du wirklich das Video. Wichtig ist es dabei das Budget sowie die Deadline zu beachten, denn es gibt kein "extra" Geld wenn etwas schief läuft. Und wenn das passiert, bist du angeschmiert. Ich wünschte wirklich dass es mehr Spielraum gäbe, so dass man noch etwas zur Verfügung hätte wenn´s benötigt wird, aber das ist nie der Fall.
Die Budgets mit denen ich bereits gearbeitet habe lagen bei 5.000 bis 30.000 Euro, aber unglücklicher Weise ist das heutzutage meistens unter 10.000.
Das Format hat sich auch geändert. Als ich angefangen habe, habe ich mit 16mm und 35 mm Filmen gearbeitet und heute ist alles digital. Die Nachbearbeitung passiert in der Regel am Tag nach dem Dreh. Wir schneiden das Video an einem Tag, legen dem Label und Künstlern den ersten Rohschnitt vor und erstellen eine zweite Fassung nach deren Feedback. Danach geht´s an den Farbgehalt des Videos und es ist fertig zur Übergabe. Videos zu drehen ist ein Prozess der Spaß macht, schnell und furios und ich mag das. Es ist eine tolle Arbeit neben dem Drehen von Spielfilmen, die so viel Zeit benötigen!"
erklärt mir Marko Mäkilaakso.

Klingt nach einer Menge Spaß, aber auch nach Stress pur! Sicherlich nichts für jedermann, aber abgesehen vom Geld scheint es motivierend zu sein, seine Brötchen damit zu verdienen.
Und wie kommt man nun dazu die Karriere als Regisseur mit Schwerpunkt Musik-Videos als Beruf zu wählen?

Marko Mäkilaakso: "Ich wollte schon immer Filme drehen und für mich sind Musik-Videos sowas wie Minifilme. Ich konnte also kurze Geschichten visuell mit auffälligen Kamerabewegungen drehen, bearbeiten und beleuchten. Das hat mich am meisten angezogen um Video Regisseur zu werden."

Denis Goria: "Zu aller erst, war es nicht meine Entscheidung auch wenn mein Studienschwerpunkt bei der Produktion von Videos lag. Ich habe die TV Produktion schnell aufgegeben und mich der Photographie vor zwölf Jahren verschrieben. Es war "gefährlich" in die Video-Produktion zu wechseln. Deshalb ist meine erste Produktion mal gerade vier Jahre her. Zu der Zeit war ich als Fotograf aktiv und gleichzeitig am THX-Programm für George Lucas Film in Frankreich zu Gange. Als ich schließlich das Trainingsprogramm bestanden und mein Zertifikat der Skywalker Ranch bekommen hatte, wurde ich von Pain´s Management kontaktiert. Ich hatte für das CYNIC PARADISE-Album als Fotograf für´s Booklet und die Promo-Materialien gearbeitet, als ich einen Anruf bekam... Ein Woche später fand ich mich in Istanbul zusammen mit Peter Tägtgren und Ville Lipiäinen wieder um das "Follow me"-Video zu drehen... und einen guten Whiskey zu trinken. Wie gesagt, einfach "gefährlich"! Nachdem Erfolg des Videos, haben Ville und ich immer häufiger bei Pain-Videos kollaboriert ("Monkey Business", "Dirty Woman", "The Great Pretender)", und einigen anderen Bands wie Amberian Dawn, Hypocricy, Nightwish, etc... Rund zwölf Videos und vier Live-DVDs in vier Jahren. Aber ich mag es sehr, insbesondere wenn ich eine gute Story beisteuern und das Video wie einen Kurzfilm gestalten kann. Aber ich habe nie vergessen, dass ich eigentlich Fotograf bin!"


Wie geht´s nun weiter?

Eine erschreckend traurige Entwicklung, hat das einstige Prestigeobjekt Musik-Video seit den glorreichen 80ern zu einem lieblosen Nebenprodukt verkommen lassen. Wenn man bedenkt, wie viele vermutlich umwerfende Mini-Filme uns „durch die Lappen“ gegangen sind aufgrund schrumpfender Budgets ausgelöst von illegalen Downloads und Piraterie im Netz, kann man sich als Fan des eh schon im Musik-Geschäft wie ein "Stiefkind" behandelten Genres Metal nur Fragen, was die nahe Zukunft bringen mag.

Denis Goria: "Nichts!!! Ich meine damit, und es tut mir wirklich leid so pessimistisch zu sein, aber wenn der Musikmarkt weiterhin um 20% pro Jahr einbricht, wie es in den letzten paar Jahren der Fall war, werden wir in Kürze kein Geld mehr haben um gute Videos zu produzieren! Ich sprach selbst kürzlich mit einigen Bands und heutzutage produzieren sie ihre Videos bereits selbst. Ein Beispiel ist eine Band, die kein Geld für das Video zu ihrem neuem Album hätte, wenn ich es ihnen nicht geschenkt hätte! Eine Schande! Denn das Album war schon zwei Wochen vor dem Release im Netz. Ich fürchte in naher Zukunft, werden wir keine Videos mehr drehen können, es sei denn wir arbeiten umsonst.
Ich hatte auch hohe Erwartungen an 3D-Produktionen, aber das ist nie geschehen, da es für Metal-Bands zu kostspielig ist.
Weißt du, im Metal-Business werden einige tausend Tonträger in wenigen Monaten verkauft, was ein großer Erfolg für deine Lieblingsbands sind. Aber wie kann ich ein gutes Video produzieren, wenn nur 5% der Einnahmen zur Verfügung stehen!? Darum liebäugle ich immer mehr mit der Popmusik im Moment, um größere Budgets zur Verfügung zu haben. Ich belüge mich dabei nicht selbst. Es ist nur eine Lösung auf Zeit. Aber ich warte gespannt darauf, ob sich diese Einstellung noch ändern wird.
Natürlich müssen wir aufgrund der niedrigen Budgets auf neue Mittel zurückgreifen und ich muss sagen, das die Canon DSLR Technik praktisch für eine gute Qualität war. Das Selbe gilt auch für die Live DVDs die ich gedreht habe, (Pain, Stratovarius, Amorphis und Hypocrisy, zusammen mit meinem Freund Ville Lipiäinen), aber auch das ist wiederum nur ein Kompromiss. Selbst wenn Stratovarius Platz #1 in Finnland und Platz #4 in Frankreich erreicht haben, bedeutet das nicht das wir über riesige Verkaufszahlen sprechen, wenn man bedenkt, dass die Fans es sich illegal auf YouTube anschauen können!!
Aber trotzdem ändert es nichts an meiner Meinung. Ich liebe es im Musik-Business zu arbeiten. Die Menschen sind großartig und es liegt mir im Blut. Ich hoffe nur das die Künstler nicht zu schnell und plötzlich in der Versenkung verschwinden bevor ich mein Meisterwerk produzieren konnte!"



Der moralische Zeigefinger

Es ist unumstößlich, dass die Zukunft der Musik-Videos somit nicht nur in den Händen der Bands, Labels und Regisseure liegt, sondern auch bei uns als Fans und "Konsumenten". Die Abhängigkeit basierend auf der Wechselwirkung im Konsumverhalten zwischen illegalen Downloads und legalem Erwerb definiert dabei die Qualität zukünftiger Videos und sollte jedem Fan des Genres (und darüber hinaus) zu denken geben. Nur leider liegt es in der Natur des Menschen zu spät zu erkennen, wann das eigene Verhalten die Dinge zerstört, die einem wichtig sind, wie uns nicht nur das Beispiel der Musik-Videos zeigt, sondern auch auf Thematiken wie Umwelt- und Tierschutz anwendbar ist.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Jesse, Denis und Marko, welche trotz vollem Terminkalenders Zeit für meine Fragen hatten. You Guys rock!

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