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Report: Veggie-Aktivist Axel Ritt...
  ...liebt harte Saiten

Datum:
 J.G., 01.10.2012

Zur Geschichte:

In unserer Report-Reihe "Behind the Music" besuchen wir diesmal den deutschen Gitarristen und Produzenten Axel Ritt, der seit Mitte der 80er im Line-Up von Domain und seit ein paar Jahren auch bei Grave Digger zu finden ist. Doch diesmal steht weniger das Schaffen des "Musikers" Axel 'Ironfinger' Ritt im Fokus unseres Interesses. Wir möchten auch wissen, was den "Menschen" neben seiner Musik bewegt und beschäftigt. Dass wir uns dabei genau den Welt-Vegetarier-Tag am 1. Oktober ausgesucht haben, war Zufall und doch absolut passend. Warum? Lest selbst.

Meist erleben wir sie auf den Bühnen in nieten-besetzten schwarzen Leder-Klamotten, manchmal mit behaarter nackter Brust, wild headbangend oder verzückt die Saiten greifend in extremer Rückenlage ihre Soli spielen. Gemeint sind die Gitarristen der Rock- und Metal-Bands dieser Welt, die spätestens seit Ende der 60er Jahre durch exzessive Aktionen wie der brennenden Gitarre von Jimi Hendrix und der unvergesslichen Schul-Uniform von Angus Young so manchem Frontmann showmäßig den Rang abgelaufen haben.

Die neuen Medien

Hallo Axel, wenn man ein bisschen über Dich im Internet recherchiert, dann fliegen einem regelrecht die Infos um die Ohren. Du bist als Musiker bei Domain und Grave Digger tätig, bist Produzent, engagierst Dich für Kinder, bei PETA und intensiv für Tierschutz allgemein, hast einen eigenen Blog, bist bei Google+, Facebook, MySpace, Reverbnation, LastFM, Twitter, YouTube und... Habe ich was vergessen? Hat Dein Tag mehr als 24 Stunden?
Axel Ritt und das InternetHallo Jochen, es gibt noch ein paar andere Sachen wie z.B. meine eigene Tageszeitung s.u. und ein paar kleinere Sachen und nein, mein Tag hat (leider) auch nur 24 Std. :-) Ich gebe zu, ich würde gerne noch etwas mehr machen, aber ich bin jetzt bei der 90 Std. Woche angekommen und mehr ist bei einer eigenen Familie nicht mehr möglich. Es gibt halt so unendlich viele Möglichkeiten konstruktiv zu arbeiten und Gutes zu tun, dass mir die Beschränkung auf 90 Std. schon fast schwer fällt.

Jetzt bist Du als Musiker bestens bekannt und z.B. schon seit Mitte der 80er mit Domain zugange und hast es auf über ein Dutzend Alben gebracht. Oftmals ist es so, dass eine Band in starkem Maße über den Frontmann identifiziert wird und ich habe mich so an Carsten Schulz gewöhnt... Wie siehst Du das in diesem Fall bei Domain?
Der Frontmann ist optisch natürlich das markante Aushängeschild einer Band, kann aber auch immer nur dann in vollem Umfang glänzen wenn eine tighte Band und ein funktionierendes geschäftliches Umfeld ihm den Rücken frei halten. So manch einer ist nach seinem Ausstieg schon in die musikalische Belanglosigkeit abgedriftet, aber letztendlich ist jeder seines Glückes Schmied. Mit Nicolaj Ruhnow haben wir handwerklich und vor allen Dingen menschlich einen echten Glücksgriff getätigt, ich bin sehr froh ihn mit an Bord zu haben.

Jetzt kann man Grave Digger ganz im Gegensatz nicht unbedingt als "Melodic/Symphonic Metal" Band bezeichnen? Was hat Dich bewogen bei Chris Boltendahl einzusteigen? War es "nur" eure langjährige Freundschaft, wie es heißt oder war es für Dich auch reizvoll, Dein musikalisches Spektrum zu erweitern?
Axel Ritt auf der BühneChris rief mich im Herbst 2009 von seinem Urlaub aus an, teilte mir mit dass mein Vorgänger die Band verlassen hätte und ob ich für die bereits gebuchten Shows die "Feuerwehr" spielen, sprich das gesamte Live-Setup in 3 Wochen einüben könnte. Ich empfand das als echte Herausforderung und habe mich entsprechend rein gekniet. Die Shows in Deutschland und Südamerika klappten sehr gut, weit besser als wir erwartet hatten und so fragte mich die Band Ende des Jahres ob ich fest einsteigen wollte. Da wir ja alle Kinder der Achtziger sind und die gleiche Prägephase haben, waren wir musikalisch gar nicht so weit auseinander wie man auf den ersten Blick denken mag. Auch Grave Dinger lieben das "Große", das "Epische", das "Hymnenhafte", von daher funktionierten auch die ersten Songwriting Session bereits sehr gut.

Harte Saiten werden aufgezogen...

Zu Heavy Metal passt auch prima Dein Spitzname "Ironfinger". Du sollst so dicke Saiten auf Deinen Gitarren spielen, dass ein Kollege einmal bemerkt haben soll, dass man dazu "Finger aus Eisen" braucht. Gibt es dafür eigentlich Gründe? Und hast Du inzwischen schon einen anderen Gitarristen gefunden, der genauso harte Saiten spielt?
Meine Shows waren früher immer recht schnell zu Ende, da ich über einen sehr harten Anschlag der rechten Hand verfüge und die regulären Saitenstärken innerhalb von 20 Minuten regelrecht durch geschlagen habe. So habe ich schon damals die dicksten Saiten genommen, die ich kannte, das waren 011er Sätze. Im Studio habe ich dann erfahren, dass Gary Moore 012er Sätze spielt, die ich mir umgehend besorgte. Axel Ritt im StudioEin Kollege erzählte dann dass es angeblich auch noch 013er Sätze gebe, aber die wurden nur von 2 Herstellern weltweit angeboten, es war also nicht leicht diese überhaupt zu bekommen. Diese extremen Stärken haben den Vorteil dass sie sich die Saiten kaum verstimmen und sie halten vor allem meinem Spielstil stand, d.h. ich kann eine ganze Show mit einem Satz zu Ende spielen. Mittlerweile fertigt die Firma Pyramid Signature Saiten für mich, d.h. jeder kann selber ausprobieren was er davon hält. Im Standard Tuning, so wie ich spiele, kenne ich tatsächlich niemanden, der diese Saitenstärke spielt, aber für Downtunings findet mein Satz regen Anklang.

Wer es also noch nicht wusste, ein 013er Medium Set besteht i.d.R. aus den Saiten: .013: hohes E, .017: B, .022 (plain): G, .036: D, .046: A und einer .056er Saite für das tiefe E (alle Maße in Zoll).

Das Leben jenseits von Rock- und Metal-Musik

Exzessive Partys, jede Menge Alkohol und Drogen, vernaschen regelrechter Heerscharen von Groupies im Tourbus, demolieren von Hotelzimmern, medienwirksame Gerichtsverhandlungen gegen verschmähte Liebschaften, all das ist schon lange nicht mehr bzw. war nie eine Domäne die ausschließlich Rock-/Metal-Musiker für sich beanspruchten. Zum Unmut der Sensationspresse sind selbst Großveranstaltungen wie Festivals mit Zehntausenden Musikbegeisterter der harten Fraktion oftmals deutlich "langweiliger" als eine Love-Parade oder ein Bundesliga-Fußballspiel, wenn es um Krawalle und Skandale geht.
Dass sich hinter der liebevoll gepflegten rauen Rocker/Metal-Schale jedoch auch sehr engagierte Menschen verbergen, rückt (leider zu) langsam immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit.
Ink not mink! - Duff McKagan/Susan Holmes-McKaganVielleicht hat der ein oder andere von euch schon mitbekommen dass sich Doro Pesch schon jahrelang für PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) engagiert und zeigt, dass ein cooles Leder-Bühnen-Outfit auch ohne tierisches Leiden möglich ist. Genauso Kollege und früherer Guns 'n' Roses-Bassist Duff McKagan und dessen Frau Susan Holmes-McKagan, die mit der Aktion "Ink, not Mink!" zeigen, dass es in unserer heutigen Konsumgesellschaft keinerlei Pelz-Bekleidung mehr bedarf. In wie weit engagiert sich an dieser Stelle unser Gast Axel Ritt und wie kam es dazu?

Soviel zum Einstieg für unsere Musikfreunde, aber eigentlich möchte ich etwas mehr über den Axel Ritt jenseits seiner Gitarre erfahren. Du schreibst, dass sich vor mehr als 30 Jahren Dein Leben bzw. Deine Einstellung grundlegend(?) geändert hat. Du wurdest Vegetarier, hast das Rauchen aufgehört, dem übermäßigen Kaffeekonsum abgeschworen und Dich massiv für Tierschutz eingesetzt. Gab es da ein einschneidendes Erlebnis oder war es ab einem Punkt ein quasi natürlicher Entwicklungsprozess?
Ja, das gab es. Ich war mit meiner damaligen Jugend-Freundin und meinem Hund spazieren und wir kamen an einem Bauernhof vorbei. Der Hof hatte einen Auslauf und in einer Ecke des Auslaufs suhlten sich vier große Muttersauen in einem riesigen Schlammloch. Ich stand auf der anderen Seite und schaute dem Treiben schmunzelnd zu und kraulte dabei meinen Hund. Plötzlich erblickte mich eins der Tiere und trottete quer über die Wiese zu mir rüber, gefolgt von den anderen Sauen. Schließlich stehen diese 4 großen Tiere direkt am Zaun vor mir, völlig mit Schlamm und Dreck bedeckt, blinzeln mich freundlich an und wären die nicht so völlig dreckig gewesen, hätte ich diese genauso geknuddelt wie meinen Hund. Ich schaute schließlich auf die Uhr und sagte: "Oh, schon 18 Uhr, gibt bald Abendessen, meine Mutter wollte Schnitzel machen ..." Und während ich meinen Hund kraule und auf die Sauen schaue denke ich mir, "Meinen Hund würde ich nie essen, warum esse ich diese Schweine, die sind doch genauso süß und empfinden den gleichen Schmerz, Angst usw." In diesem Augenblick hat sich alles für mich geändert. Ich bin nach Hause gegangen und habe meinen Eltern mitgeteilt dass ich ab jetzt vegetarisch lebe, da ich das Leid der Schlachttiere nicht mehr verantworten kann.

Wenn ich den Absatz "Der Sinn des Lebens" auf Deiner HP lese, stelle ich mir die Frage, was Dich zu dieser Erkenntnis gebracht hat. War es Deine Familie, z.B. Deine Eltern, die Dich in diese Richtung erzogen haben oder Freunde, Bekannte, ein Studium, Bücher...?
Ich hatte schon immer Haustiere, Vögel, Kaninchen, d.h. meine Familie war schon "tierlieb", aber in ihrem Verhalten völlig inkonsequent. Meine Eltern haben noch den Krieg mit erlebt, da bleiben zwangsweise Altlasten was die Einstellung zum Essen angeht. Ich bekam aber eines Tages Post (Internet war noch nicht erfunden) indem eine Broschüre über Tierversuche informierte. Es waren die bis dato grausamsten und furchtbarsten Bilder, die ich je in meinem noch jungen Leben gesehen hatte. Es waren Bilder, die ich mir in meinen schrecklichsten Alpträumen nicht hätte vorstellen können und ich hätte niemals für möglich gehalten, dass Menschen zu solchen Taten fähig wären. Mein Weltbild war erschüttert, ich dachte lange das müssen Fotomontagen sein, so unfassbar grausam können Menschen nicht sein. Ab da habe ich gelernt dass Menschen zu JEDEM Verbrechen fähig sind wenn sie einen persönlichen Gewinn in ihrem Verhalten ziehen. Ich kennen Politiker, die würden Säuglinge auf der Bühne tot schlagen wenn sie dadurch eine Wahl gewinnen würden...

Hattest Du im Vergleich zu vielen heutigen Familienschicksalen eine glückliche Kindheit und konntest Dich unbeschwert entwickeln oder musstest Du schon in jungen Jahren für Deine Ziele kämpfen?
Ich war in der sehr glücklichen Lage mich "ausprobieren" zu können, d.h. ich durfte Abitur machen, durfte studieren und wurde von meinen Eltern während meines Studiums finanziell unterstützt. Dadurch konnte ich mir zur Selbstfindung etwas Zeit lassen, gleichzeitig Musik und Architektur studieren um später zu entscheiden, welche Passion mein Leben bestimmen wird. Letztendlich war es aber sehr klar dass die Architektur, wenngleich auch ein großartiges Fach, gegen die Musik nie eine echte Chance hatte. Dass ich als Musiker überhaupt starten konnte, verdanke ich ausschließlich meinen Eltern, dass ich Erfolg hatte, geht allerdings auf meine Kappe :-)

Auch einige Deiner Musikerkolleginnen und Kollegen engagieren sich sehr für Tierschutz, wie z.B. Doro, die u.a. nur noch Kunstleder-Outfits trägt. Sprecht und diskutiert ihr auch ab und an quasi unter Kollegen über solche Themen oder organisiert gemeinsame Aktionen?
PETA LogoLeider sind unsere Zeitpläne immer so eng gesteckt, dass man nie wirklich Zeit findet sich mal ganz privat zusammen zu setzen und ein Schwätzchen zu halten. Es gibt immer so viele Planungen etwas Passendes in Sachen Tierschutz zu organisieren, aber scheitert dann immer wieder an den individuellen Zeitplänen. Ich habe vor über einem Jahr mit Mille Petrozza von Kreator, seines Zeichens ebenfalls Veganer, telefoniert und wir hatten vor eine Aktion auf die Beine zu stellen. Ein richtig guter Plan mit vielen Kollegen, der bestimmt Eindruck hinterlassen hätte. Aber immer wenn ich Zeit hätte ist er auf Tour / Studio und umgekehrt. Auf der letzten Musikmesse hatten wir gerade mal 90 Sekunden für ein kurzes "Hallo", dann musste er schon wieder zur nächsten Autogrammstunde. Ich spielte dieses Jahr auf der 70.000 Tons Of Metal Cruise, er nächstes Jahr, es ist echt zum Heulen...

Jetzt bin ich auch schon seit fast 20 Jahren Vegetarier und kann den Tieren auch wieder ruhigen Gewissens in die Augen sehen, die früher auf meinem Teller lagen. Und auch wenn es Leute gibt, die wie Paul Mc Cartney sagen: "Wenn die Mauern der Schlachthöfe aus Glas wären, würde jeder Vegetarier werden", in wie weit konntest Du bereits Dein Umfeld zum Umdenken bewegen?
Der Weg ist das Ziel, man muss nur über die nötige Geduld verfügen. Essen ist eine rein emotionale Tat, d.h. man kann Menschen nur mit emotionalen Argumenten überzeugen, niemals mit rationalen. Je mehr Druck man aufbaut, umso mehr erreicht man genau das Gegenteil von dem was man möchte. Es gibt Menschen, denen ist alles Scheiss-egal, andere Menschen, Tiere, Umwelt, Gesellschaft, Politik, Familie, einfach alles, Hauptsache man selber kann abkassieren und der Hedonismus bekommt genügend Futter. Diese Menschen sind tot, sie wissen es nur noch nicht. Mit solchen Menschen zu reden ist Zeitverschwendung, die beleidigen einen nur in Foren, verbreiten Lügen über dich und wollen dir so viel es geht schaden. Der Großteil der Menschen steht diesen Themen aber zumindest neutral gegenüber und hat sich einen Rest Interesse am Leben erhalten. Ich versuche nur zu informieren und wenn Menschen nachfragen, zu antworten. Einige meiner Freundinnen z.B. sind durch den Kontakt zu mir Vegetarierinnen geworden und vor allem geblieben. Die heiraten andere Männer, bekommen Kinder und geben ihre Lebenseinstellung an die nächste Generation weiter und so weiter. Das ist einfach großartig.

War Deine letzte Überzeugungsarbeit Dein Freund Chris Boltendahl oder gab es hier andere Gründe?
Chris hat den Entschluss Vegetarier zu werden aus eigenen Stücken gefasst. Ausschlaggebend war wohl das Catering auf der letzten GRAVE DIGGER-Tour, wo einige Fleischstücke für ihn wohl so abstoßend gewesen sein müssen dass er die Konsequenzen daraus gezogen hat. Ich habe vielleicht ein paar Infos dazu beigesteuert, aber ich habe absolut nichts getan um ihn zu beeinflussen, es kam von ganz alleine. Allerdings war ich mehr als nur begeistert von dieser Nachricht, es hat mich wirklich berührt.

Viele, mit denen ich ins Gespräch komme, haben schnell eine Pauschal-Entschuldigung als Antwort parat: "Ich esse auch kaum Fleisch", "Wir können doch sowieso nichts machen" und "Ich kann doch alleine nichts ändern". Darauf habe auch ich meine Pauschalantwort, die lautet: "Wenn ich bei mir selbst nicht anfange, konsequent aufzuräumen, dann geht es sicherlich nicht und wie soll ich andere überzeugen, wenn ich nicht selbst an vielen Stellen konsequent handle".
Wie oft hast Du schon ähnliche Antworten bekommen oder solche Situationen erlebt und was ist darauf Deine Antwort?

Es vergeht kein Tag wo man als Vegetarier nicht eine dieser Aussagen erhält, als Veganer bist du ja noch ärmer dran, da die meisten Menschen tatsächlich nicht wissen dass männliche Küken vergast, bzw. lebendig in den Schredder geworfen werden, bzw. Kälber getötet und weg geworfen werden um die Kuh weiterhin zur Milchabgabe zu zwingen. Ich habe fest gestellt dass Gespräche nur bei einer kleinen Gruppe von Menschen etwas bringt, die "open-minded" an die Sache heran gehen, Informationen sammeln und dann für sich persönlich ihr Verhalten abwägen. Für alle anderen habe ich die nötigen Links auf meinem iPhone und zeige ihnen dann die entsprechenden Szenen von Schlachthöfen, Tiertransporten und Massentierhaltung. Übrigens, lasst euch nicht von der Werbung blenden, Bio-Fleisch ist keinen Deut besser. Auch hier werden die Tiere zum Schluss qualvoll unter Todesangst getötet, es ist also auch nicht dafür geeignet das Gewissen zu beruhigen.

Wo würdest Du Dich momentan eher sehen, in der Rolle des Aufklärers oder des missionierenden Bekehrers, wenn es um vegetarische Ernährungsweise geht? Dass man gut und gesund (sogar gesünder als früher) ohne Fleisch und Fisch auskommt, dafür sind wir beide gute Beispiele.
Ich sehe mich ausschließlich in der Rolle des Aufklärers, mehr noch des "Informierenden", alles andere muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden. Ich bin mir sicher, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung tief drinnen jegliche Form des kommerziellen Tötens ablehnt, man muss ihnen nur bewusst machen, dass sie mit jedem Stück Fleisch, was sie essen, jemanden dafür bezahlen dass er ein Tier ermordet. Man selber hat es in der Hand, kein Geld, kein Leid, kein Mord, so einfach ist das.

Die modernen Medien ermöglichen uns heute rund um die Uhr mit der gesamten Welt in Kontakt zu stehen. Die Informationsflut ist dabei gewaltig und es gehört viel Kraft und Übung Wesentliches von Unwichtigem zu trennen. Siehst Du bei Deinen Engagements mehr Vor- oder Nachteile darin, in den üblichen Medien (Facebook, Google+, die eigene HP...) zu kommunizieren?
Ausschließlich Vorteile. Ohne das Internet würde ich nur einen Bruchteil der Menschen erreichen und vor allem, ich könnte ihnen keine Beispiele zeigen. Über Tierleid zu reden ist eine Sache, zu sehen wie ein wenige Minuten altes Küken ohne Betäubung bei lebendigem Leib in einem Fleischwolf zermatscht wird, ist etwas anderes.

Hard Harder Heavy -Facts

"Fleisch ist nicht nur gesund, sondern für die menschliche Gesundheit unerlässlich", so will es uns z.B. die 'US Beef Industry' glauben machen und bringt es in der Vergangenheit immerhin auf 35 Mio. geschlachteter Rinder jährlich für den menschlichen Verzehr alleine in den U.S.A. Ungeachtet aller Seuchen, wie Milzbrand oder BSE und unwürdigsten Methoden, die Tiere letztendlich zu schlachten, ist gerade im Sommer - der besten Grillzeit also - kaum ein Bericht in den Medien zu finden. Da wird dann gerne verschwiegen oder viel schlimmer ignoriert, dass auch Rinder aus Deutschland in Transportern bis in die Türkei verfrachtet werden, weil es dort billiger ist, zu schlachten, bevor sie dann als Grillfleisch abgepackt im Supermarkt landen. Man schätzt die Zahl der Rinder für den menschlichen Gebrauch (Verzehr, Milch, Leder...) auf stattliche 1,1 Milliarden weltweit. Schweine, Schafe, Hühner, Enten, Truthähne und sonstige Tiere wurden dabei noch nicht einmal berücksichtigt. "Hard Harder Heavy" kann ich da nur sagen. Wie man trotz dieser Tatsachen einen gesunden Appetit behält und dabei kein schlechtes Gewissen haben muss, macht uns Axel Ritt vor.

Du schreibst weiterhin über Dich, dass Du liebend gerne sehr scharf isst, egal ob europäisch, asiatisch oder amerikanisch. Kochst Du denn auch gerne solche Gerichte oder lässt Du Dich bekochen (privat, im Restaurant)?
Meine Frau ist eine hervorragende Köchin, von ihr habe ich auch sehr viel über Lebensmittel im Allgemeinen gelernt. Essen gehen hat bei mir deutlich abgenommen, denn wirklich gute Restaurants sind sehr selten geworden und die Bereitschaft teures Geld für Essen auszugeben, was schlechter schmeckt als das Essen zu Hause ist bei mir gleich null.

Apropos Essen und Kochen, heute ist es deutlich einfacher, sich auch unterwegs vegetarisch zu ernähren, egal ob in Deutschland oder im Ausland. Wie war das aber vor 20 Jahren, wenn Du mit der Band auf Achse warst? Hast Du Deine eigene vegetarische Notration dabei oder hast Du lieber improvisiert?
Das ist heute ja überhaupt kein Thema mehr. Ob Fluggesellschaft, Club/Festival-Catering oder jedes etwas bessere Restaurant, jeder bietet mindestens ein, meistens mehrere vegetarische Gerichte an. Vor über 20 Jahren war es etwas schwieriger, da konnte man teilweise nur Sachen weg lassen, da die Köche mit der Bezeichnung "Vegetarier" teilweise komplett überfordert waren. Wer heute nicht aus dem Stegreif mehrere vegetarische Gerichte zaubert, wird als Koch doch gar nicht mehr ernst genommen, da hat sich glücklicherweise sehr viel getan.

Wie siehst Du die Zukunft? Wird es gelingen, den Menschen mit Argumenten z.B. auch anhand der katastrophalen Ökobilanz für Fleisch (7 Pflanzenkalorien Aufwand für eine Fleischkalorie) zum Umdenken zu bewegen? Oder wird letztendlich doch das Geld entscheiden und der billigste "industriell orientierte Discounter" gewinnen?
Lässt man den Konsumenten ohne jede Aufklärung entscheiden, wird er immer nur das Billigste nehmen und damit den Konzernen immer wieder die Argumente geben, so viel wie möglich aus Tier und Umwelt ohne jede Rücksicht auf Ethik und Leid heraus zu pressen. Machen wir uns nichts vor, niemand der zuständigen Manager interessiert sich auch nur einen Dreck für Schmerzen oder Qualen von anderen Lebewesen, es geht wie immer ausschließlich um die persönliche Gewinnmaximierung. Solange Themen wie Tierschutz aufgrund von Konzern-Interessen konsequent aus unserem Schulsystem heraus gekauft werden können und junge Menschen in ihrer Prägephase nicht mit allen Informationen versorgt werden, werden die Wirtschaftskonzerne weiter vorgeben was wir essen. Unsere einschlägigen Politiker, welche entsprechende Gesetze erlassen könnten, sind direkt oder indirekt über Parteispenden gekauft und werden nur das aufsagen, was die Wirtschaft ihnen diktiert. Film EarthlingsWürde ein neutraler, aber kritischer Aufklärungs-Film wie "Earthlings" in unseren Schulen gezeigt werden, würde die gesamte Massentierhaltung innerhalb einer Generation in Deutschland zusammen brechen, das gilt es aus Konzern-Sicht zu verhindern. Warum dürfen im öffentlichen Rundfunk keine Szenen aus Schlachthäusern gezeigt werden, während in jedem Horrorfilm ab 16 einem die Gedärme nur so um die Ohren fliegen? Da man sich auf die offiziellen Stellen nicht verlassen darf, liegt es in der Verpflichtung eines jeden Elternteils, seine Kinder entsprechend zu informieren und ihnen dann die freie Wahl zu lassen.

Besonders bei Schauspielern scheint es angesagt zu sein, Kinder aus armen Verhältnissen und Ländern zu adoptieren, um Gutes zu tun, nur ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen oder doch nur um Publicity zu bekommen? Was hältst Du davon? Ist das Deiner Meinung nach der richtige Ansatz, das Elend zu lindern?
Wenn jemand über die Öffentlichkeit und die finanziellen Mittel verfügt auf einen Missstand aufmerksam zu machen, ist es in meinen Augen legitim auch für seine Person Werbung zu machen. Wie sähe es andersherum aus? Es würde sich gar nichts tun. Jede Form der Aufmerksamkeit ist eine Weiterentwicklung und sei es nur dass Menschen, die sich vorher noch nicht mit der Materie auseinander gesetzt haben, dadurch einen Zugang finden.

Genüsse, Genügsamkeit und Genauigkeit

Nach so viel "Verzicht" und "Engagement", wenn es nach den üblichen Ansichten eines Fleischessers geht, auch wenn ihn Du und ich nicht als solchen empfinden, bist Du auch ein Genussmensch, wenn es z.B. um Wodka oder Whisky geht. Hast Du denn schon einmal eine Schottland-Tour hinter Dir? Immerhin gibt es dort Destillerien bis zum Abwinken.
Nein, das ist mir bisher leider verwehrt geblieben, aber wenn ich mal vor Ort bin, werde ich dies auf jeden Fall nachholen.

Wenn wir schon bei Touren sind, ist das Thema Urlaub nicht weit entfernt. Hast Du bevorzugte Urlaubsziele oder Orte, wo Du Dich gerne aufhältst? Bist Du dabei eher jemand, der Berg liebt, Sonne und Strand braucht oder gar die Weiten winterlicher Tundra?
Durch meine Tourneen bin ich in der glücklichen Lage alle Herren Länder zu besuchen und auch etwas von der jeweiligen Kultur zu sehen. Dies ist hoch interessant und gefällt mir sehr gut, aber echten Urlaub habe ich seit jetzt knapp 30 Jahren nicht mehr gemacht. Es gibt so viele Verpflichtungen, die mein Leben ausfüllen, nach mehr als 24 Std. ohne Arbeit werde ich schon ganz kribbelig. Zumindest die täglichen Fingerübungen am Instrument müssen immer sein.

Jetzt weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es viele Künstler und dazu gehören auch Musiker, eine ganz eigene Ansicht davon haben, was Zeit ist und wie man damit umgeht. Jetzt gehörst Du nach eigenen Worten eher zu den Menschen, die pünktlich sind. Wie gehst Du damit um, wenn Du mit Kollegen zusammen arbeiten musst, die es nicht so genau mit der Pünktlichkeit nehmen, z.B. wenn Du Alben produzierst? Hast Du spezielle Strategien?
Ab einem gewissen Professionalitätsanspruch regelt sich dieses Problem glücklicherweise von selbst. Wenn du im oberen Segment mitspielen möchtest, kommst Du nur mit Zuverlässigkeit dort hin, d.h. alle Kollegen, Mitarbeiter etc., mit denen ich arbeite, verfügen über diese Eigenschaften. Bist du unzuverlässig oder noch schlimmer unloyal schießt du dich in kürzester Zeit selbst ins Abseits.

Jetzt haben wir schon so viele Themen besprochen, die durchaus Deinen Tag ausfüllen. Hast Du denn dabei auch noch Zeit für ein "bürgerliches Privatleben", mit Frau und Kindern?
Hier und da ist schon mal eine Stunde drin, in der ich mir mit meiner Frau einen Film anschaue, außerdem muss unser Hund regelmäßig raus, aber ansonsten habe ich ein sehr ausgefülltes Leben, sprich 24/7 Berufung. Es gibt für mich nichts Schöneres als sinnvolle Arbeit, es gibt meinem Leben einen Sinn.

Gibt es eigentlich noch einen Axel Ritt, der Dir ganz wichtig ist und den wir noch nicht angesprochen haben, wie z.B. den Maler, den Bücherwurm, den Fotografen?
Nicht dass ich wüsste.

Bist Du mit Deinem bisherigen Lebensweg zufrieden oder gibt es Abschnitte, die Dich bis jetzt beschäftigen/ärgern und die Du im Nachhinein gerne hättest anders machen wollen?
Ich habe einmal in meinem Leben richtig tief ins Klo gegriffen, was fast mein ganzes Leben zerstört hätte. Mit allergrößten Anstrengungen habe ich es so gerade noch geschafft die Kurve zu bekommen, aber es war sehr, sehr knapp. Daraus habe ich meine Lehren gezogen.

Der Appell

Das letzte Wort gehört Dir. Hast Du noch etwas auf dem Herzen, das Du Deinen Fans und Freunden mit auf den Weg geben möchtest?
Axel RittSeid wachsam, seid neugierig und lasst euch nicht für dumm verkaufen. Steht ein für eure Ideale. Wer nicht für das kämpft was er liebt, hat schon verloren bevor der Kampf anfängt! Erkennt die wenigen wahren Freunde die ihr habt und hütet sie wie euren Augapfel. Ein Freund ist ein Mensch, bei dem man Schwäche zeigen kann, ohne Stärke zu generieren. Solche Menschen sind seltener als Platin.

Axel, vielen Dank, dass Du die die Zeit genommen und es uns von HardHarderHeavy ermöglicht hast auch einmal den Menschen kennen zu lernen, der jenseits der Bühne und umgeschnallter Gitarre existiert.
Wer noch mehr über Axel Ritt erfahren möchte, der kann hier nachsehen:
Webseite: www.axelritt.com 
Netz-Zeitung: paper.li/ironfinger/1348209497 
Blog: axelritt.tumblr.com 
MySpace: www.myspace.com/axelritt 
Facebook: www.facebook.com/pages/Axel-Ritt/ 
YouTube: www.youtube.com/ironfinger63 
Twitter: twitter.com/ironfinger 
Reverbnation: www.reverbnation.com/axelritt 
Flickr: www.flickr.com/photos/ironfinger 
Interview bei PETA: www.peta.de/web/axelritt.4653.html 

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